Herkunft - TEIL 1
Familie ist ein Anker. Achte immer darauf, dass du dich nicht in der Kette verwickelt hast. (Zweite der Maximen Séssras)
Kapitel 1: Geschichten im Nebel
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„So, Ihr wollt also unbedingt wissen, wie wir hier gelandet sind, ja?“
Ein Zurechtrücken des Sitzes, ein Zurückschlagen des Mantels, ein prüfender Griff an die Seite. Das hier könnte eine Weile dauern. Aber die treue Feldflasche ist da.
„Ausgerechnet von mir? Seid gewarnt, ich bin kein professioneller Geschichtenerzähler wie der, der letztes Mal hier war. — Trotzdem?“ Eh, Kinder.
Jugendliche. Selbst die Erwachsenen. Ein Teil von ihnen ist doch immer gleich, hm. Ein Feuer, ein Rundkreis, ein paar Baumstümpfe — und schon hat man alles, was man braucht.
„Nun gut.“
Das Meer aus Augen beginnt förmlich zu leuchten. Wie kann man da abschlagen? Außerdem dient es ja einem guten Zweck. Die Stimme erhebt sich:
„Dazu solltet Ihr vielleicht erst einmal wissen, wer die Nebelfurther sind. Die spielen in unserer Geschichte nämlich eine nicht unerhebliche Rolle, auch wenn Euch dieser Ort garantiert noch nichts sagt.“ Die Beine übergeschlagen, ein kurzes In-sich-Gehen zum Wie, Wer und Was der Geschichte. Die richtige Person finden. Sich in die Persona einfinden. Ein letzter prüfender Blick in die Runde. Eine kurze Kursüberprüfung:
„Aber wollt Ihr wirklich, dass ich ganz am Anfang beginne? Falls es Euch tatsächlich interessiert, kann ich gerne mit den frühesten Erinnerungen an Nebelfurth anfangen, damit Ihr eine erste Vorstellung davon bekommt, als was für Leute die Nebelfurther Sturböcke angefangen haben. Seid allerdings gewarnt: Das Dorf war damals so friedlich wie die Höhlenbauten dieser winzig kleinen Leute mit den großen haarigen Füßen in ihrem paradiesischen Flussland, die Ihr aus manchen unserer obskureren Legenden kennen mögt.“
Ein kurzes Räuspern, ein scharfer Blick an ein paar Unruhige unter den Neugierigen. Eine kleine Warnung an die Ungeduldigeren unter den Zuhörern, ehe die Geschichte beginnt:
„Diejenigen unter Euch, die nicht an einer ausführlichen Einführung in so ein Dorfleben interessiert sind, die weiter keinen Zweck erfüllt als vor Eurem inneren Auge die Szenerie lebendiger zu machen, sollten also vielleicht noch kurz austreten gehen, ehe wir zum Jäger und damit dem eigentlichen Beginn unserer Geschichte kommen.“
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Nebelfurth -in seiner damaligen Größe- war ein beschauliches 300-Seelen-Dorf. Oder auch ein kleines Städtchen; je nachdem, wen man fragte – wenngleich böse Zungen behaupteten, die wahre Einwohnerzahl käme eher der zwo-hundert nahe. Zur linken Hand des Nebelgebirges -auch Nebelwall genannt- gelegen und umgeben von tiefem grünen Wald und saftigen Wiesen. Eine noch nicht übergroße, aufeinander eingeschworene Gemeinschaft, wo jeder jeden kennt und deine Nachbarn Dinge über dich wissen, von denen du vielleicht gar nicht willst, dass sie es wissen.
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„Nicht dass Spekulationen immer besser wären, hm?“
Ein schnelles Zwinkern. Ohja, ich sehe, wer sich da prompt an die Nase gefasst fühlt.
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Hinterwäldler, hätten die Leute aus den großen Städten vielleicht gesagt, obwohl Nebelfurth beileibe nicht das kleinste Kaff, erst recht nicht in dieser Gegend war; aber über solche Ansichten streiten sich die Gemüter ja beständig. Dem Einen gefällt die große, lebhafte Stadt besser, der Andere schwört auf sein kleineres, aber dafür friedlicheres Dorf. Die Nebelfurther jedenfalls waren stolz auf ihr Örtchen und ihre Gemeinschaft. Eine echte Gemeinschaft, hätten sie dagegengehalten.
Auch wenn man vielleicht nicht die ganze Lebensgeschichte jedes Bewohners zu erzählen wusste und hier und da schon mal einen Namen vergaß. Ein behagliches Plätzchen zum Leben, das mittlerweile alles im Ort hatte, was man so am notwendigsten brauchte. Sogar auf zwei Herrenhäuser konnte man beiläufig mit geschwellter Brust vorbeikommende Fremde hinweisen.
Das eine bewohnte der Dorfvorstand – von hohem, altem Adel, wie der alteingesessene Nebelfurther mit hochgerecktem Kinn und blitzenden Augen feststellen würde; und dabei trotzdem von einer freundlichen, fast schon als kumpelhaft empfundenen Art. Warmund war eher der Dorfvater denn strenger Aufseher, sodass man ihm den Adel im allgemeinen Alltag als Dorfbewohner nicht anmerkte – womit sich noch zufriedener leben ließ. ‘Einer von uns’ hätte jener Nebelfurther dann wohl gedacht, mit einem freudigen Blitzen in den Augen, wenn er ihn vorbeigehen sah, dem man respektvoll den Kopf ein wenig neigte.
Das andere große Haus war das eines älteren Ehepaares, das recht zurückgezogen lebte – so seltsam das für jemanden klingen mag, dessen herausragendes Haus sich halbwegs in der Dorfmitte befand.
Doch es gab ein paar Ungereimtheiten.
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Und damit meine ich nicht, dass die beiden Letztgenannten sich so sehr für sich hielten, dass man doch ein wenig zu munkeln begonnen hatte und sich Gerüchte über sie zuraunte; weil keiner so recht wusste, wer oder was sie eigentlich waren oder einmal gewesen waren.
Oder weil bei genauerem Hinsehen als zentrales Motiv so ein komisches Auge auf der mit geschnitzten Ornamenten verzierten Eingangstür prangte, das schwer darauf schließen ließ, dass die beiden religiös waren. Setgläubige. Beteten ein Auge, das irgendwie auch eine Schlange sein sollte, als Gott an. So ein Unfug. Gestandene Orilsche ließen zwar gerne anderen Leuten im Privaten ihren Glauben — aber sie waren nicht religiös. Vermutlich war es also ein ausländischer Händler mit seiner Ehefrau, der sich hierher aufs Altenteil zurückgezogen hatte. Man sah sie auch als Einzige im Dorf nie wirklich arbeiten. Allerdings ging der Mann manchmal fort und kam oft mit einem Sack voller Bücher zurück. Wahrscheinlich deswegen die Vermutung, er sei Händler. Ich hätte aber nie mitbekommen, dass er von den Büchern auch nur eines je verkauft hätte. Und was er im Tausch angeboten haben soll, um diese zu bekommen? Das weiß keiner.
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
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