Prolog: Liliana - Lichterfest (Pt.5)
„Du solltest froh sein,“ hat er geschrien. Und wenn Tay das sagt, muss es ja stimmen.
Scheinbar ist das wirklich normal, dass Ältern so sind. Und irgendwie soll man da drüber froh sein.
Ich weiß nicht, wie die andern das hinkriegen. Ich bemühe mich ja. Ich bemühe mich wirklich. Ich hab Tay nie wieder deswegen was gesagt. Er ist älter als ich und er ist Tay. Er weiß das besser. Ich halte seither die Klappe, wie sie alle wollen. Und versuche meine Lippen in ein Lächeln zu ziehen; auch wenn mir überhaupt nicht nach Lächeln ist. Aber es tut weh.
Es fühlt sich an wie ein Eisbollen in meinem Magen. Ein Eisbollen, der Wurzeln durch meinen ganzen Körper treibt; so schnell wie die kleinen Schlangen im Nebelsee davonflitzen, wenn sie Angst bekommen. Ein greller Schmerz in meinen Ohren, schriller noch als Mammas Geschrei. Ähnlich wie meine Ohren weh tun, wenn die Beiden so schreien wie jetzt.
Ich weiß nicht wie die anderen das schaffen. Tut es ihnen nicht weh? Wahrscheinlich hat Mamma Recht und ich bin genau so eine Mimose, wie sie meint. Zu nichts nütze. Kann nicht mal die einfachsten Sachen machen, erst recht nicht richtig.
Alle anderen scheinen es doch auch hinzukriegen! Nur nicht ich.
Es scheint ihnen sogar leicht zu fallen. Nur nicht mir.
Irgendwas an mir ist kaputt.
Die Anderen sind irgendwie alle stärker. Selbst Feréll, dieses kleine Würmchen, kriegt es besser hin als ich. Wenn sich jemand über die Wiege lehnt, irgendwer, dann strahlt er so breit, dass man meinen könnte, sein Gesicht muss gleich in zwei Teile reißen. Ganz egal wer es ist. Selbst bei Mutter macht er das.
Anfangs war ich ein bisschen eifersüchtig deswegen. Ich Dummkopf dachte, das macht er nur bei mir.
Bis ich gesehen hab, wie er das bei ihr auch macht. Dabei schimpft sie mit ihm genauso. Wenn er wieder heult, weil es zu laut geworden ist in der Hütte. Oder wenn er Hunger hat. Oder Pipi muss. Oder… Schlimmeres.
Ich weiß nicht, wie Feréll das macht, aber manchmal… manchmal lacht sogar sie, wenn er ihr was von der Milch auf die Brust spuckt. Das würde sie bei mir nie machen, da bin ich mir sicher. Hat sie bestimmt auch nicht. Erst recht nicht, wenn ich sie anpupsen würde, während sie ihr Gesicht gegen das Würmchen presst und ihn mit der Nase dusselt. Ich kann mir nicht mal vorstellen, dass sie mit mir je Nase gedusselt hat. Aber bei ihm lacht sie nur.
Ich wünschte, ich könnte, was Feréll kann. Wenn ich sie zum Lachen bringen könnte, wäre es viel einfacher, die Klappe zu halten und immer die Lippen breit und abgerundet zu ziehen.
Aber wenn ich ihr Blumen bringe, dann schimpft sie nur, dass ich Zeit vertrödelt habe.
Wenn ich in der Küche helfen will, scheucht sie mich raus, „lass deine dummen Patschefinger von meinen Sachen, du machst eh nur alles falsch“.
Ich glaube, das ist das ganze Rätsel, oder?
Ich mache irgendwie immer alles nur falsch.
Egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich werde nie wie die anderen sein.
Ich bin nicht so stark wie sie. Ich bin nicht so klug wie sie. Oder so schlau oder so hübsch oder…
… was auch immer es ist, dass Mutter an anderen schön und gut und richtig findet. Und an mir nur schrecklich und falsch und doof.
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
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[aus „Herkunft“, Jäger-Reihe, Band 1;
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