Prolog: Liliana - Lichterfest (Pt.3)
Es war einer dieser Tage an denen sie besonders heftig stritten…
„…kannst nicht verlangen, dass …“
„…dieses DING! Ich will, dass …“
„Wie kannst du nur …“
„…und was ist mit MIR?! Du bist so ein …“
„…lya, bitte! Hör endlich auf, du …“
„Ich HASSE …“
„Das ist doch verrückt! Hörst du eigentlich noch, wie verrückt du …“
Sie streiten schon wieder. Lautstark. Ich habe Angst, dass sie Feréll wecken.
Feréll ist mein kleiner Bruder. Der ist ganz neu. Dachte nicht, dass ich je einen kriege, aber er ist wirklich da. Ein echter kleiner Bruder, nur für mich! Ich hab ihn dolle lieb. Er ist so winzig klein. Wie eine Puppe. Und genauso zerbrechlich. Aber er ist hübsch, wie ein Lichtstrahl durch Blätter. Oder wie einer von Ommás Feuersalamandern. Die ich manchmal finden kann, wie sie sich sonnen. Aber nur selten. Nicht wie normale Salamander. Feuersalamander sind selten.
Mein Bruder ist genauso selten. Ich muss gut auf ihn aufpassen. Er braucht seine Ruhe. Er ist noch ganz müde vom auf die Welt kommen.
Eigentlich sollte Ommá auf ihn aufpassen. Aber Ommá schnorchelt. Ich wünschte, sie würde aufwachen. Ommá macht immer, dass der laute Streit weggeht. Man sollte meinen, dass der Lärm sie weckt. Aber Ommá ist sehr, sehr müde. Seit ich sie kenne, ist sie müde. Und wird es immer mehr. Ihre Knochen tun weh, sagt sie. Und: „Meine Augen sind nicht mehr so gut, Kleine.“
Aber hören tut sie noch super. Wenn sie wach ist, kann ich mit ihr flüstern; über alles, was ich wissen will. Wenn Ommá es weiß, erzählt sie es mir. Mamma regt sich sowieso auf, egal ob wir flüstern oder laut reden. Dann braucht sie es also auch nicht wissen.
Aber Ommá hat mich gerne nahe bei sich. Vielleicht wegen ihrer schlechten Augen?
Die Leute, von denen die anderen sagen, dass sie meine ‚Ältern‘ sind -ich verstehe den Unterschied nicht so ganz; die andern sind doch auch alle Ältere?- wollen mich lieber weit weg haben, so kommt es mir damals manchmal vor. Ehrlich gesagt, oft. Ich weiß nicht, ob das an mir liegt oder daran, dass es ihnen miteinander so geht, dass einfach kein Platz ist für irgendwen anders.
Nicht mal für meine liebe Ommá – die doch immer müder wird und nicht mehr allzu lange bleiben kann. Der Umstand ist mir damals schon bewusst. Auch wenn ich nicht sagen kann, woher. Ich weiß, dass sie gehen muss. Und es nicht mehr lange dauern wird. Aber meine Eltern scheinen es nicht mal zu merken. Sie vergessen sogar ihre Medizin.
Ich vergesse nie ihre Medizin.
Ommá streichelt mir immer den Kopf und lobt mich, wenn ich ihr den Egerling ausgegraben und geputzt habe, damit sie ihn in ganz feine Stücke schneiden kann. Aber manchmal zittern ihre Hände so sehr, dass sie das Messer weglegen muss. „Heute ist mein Blut mal wieder ganz wild“, scherzt sie dann und lacht. Ihr Herz, meint sie damit. Ihr Herz klopft zu stark und tut nicht mehr wie es soll.
Ommá hat ein schönes Lachen. Es könnte bitter sein, aber es ist sehr, sehr freundlich. Ommá macht immer das Beste aus Allem. Ich hoffe, ich lerne das auch mal. Aber das Messer, das legt sie dann weg.
Dann nehme ich das Messer.
Tay sagt, sein Vater sagt, ich bin viel zu klein dazu, dass man mir ein Messer gibt. Ich lache nur, wenn Tay das sagt. Wer soll es denn sonst machen? Mamma und Paps jedenfalls nicht. Die sind mit Streiten beschäftigt. Und mit allem anderen. Auch wenn ich manchmal nicht so recht weiß, was all das Andere ist.
Und dann schäme ich mich, weil Tay kein Auslachen verdient hat. Tay ist mein bester Freund. Die Nachbarn sagen immer wir sind „wie Geschwister – vielleicht weil sie welche sind“.
Milchgeschwister, meinen sie damit. Wenn Tays Vater recht hat, ist er nämlich zwei Jahre älter als ich. Außerdem hat er ja andere Ältern. Aber unsere Amma ist dieselbe. Also hat Tay mich herumgeschleppt wie ich Feréll.
Ich glaube Tay ist froh über Gesellschaft. Er wirkt manchmal sehr alleine, ohne mich. Seine Mutter soll bei seiner Geburt gestorben sein, behaupten die Nachbarn. Aber sie sagen es so komisch; wenn sie überhaupt davon reden. Meine hatte nur keine Milch.
Ich wünsche mir manchmal, es wäre umgekehrt. Für Tay wäre das wohl besser. Tays Paps ist… es hat einen Grund, warum er für Tay „Vater“ heißt und nicht Paps. Ich glaube, Tays Mamma ist nicht schnell gestorben. Und irgendwie ist Tays Paps deswegen auf ihn sauer. Er will Tay oft auch nicht bei sich haben, meistens sogar nicht.
So wenig wie Mamma und Paps mich. Das scheint also normal. Vielleicht sollte ich meinen Paps auch Vater nennen… aber irgendwie ist er dann erst recht böse. Ältere sind komisch.
Auf sich selber ist Tays Paps zum Beispiel auch sauer, vielleicht sogar mehr. -Woher weiß ich das eigentlich?- Ich verstehe nicht wieso. Vielleicht weil keine Mamma da ist, auf die er sauer sein könnte? Meine Ältern sind mehr aufeinander sauer als auf sich selbst, glaube ich.
Naja, und auf mich. So viel verstehe ich noch. Auch wenn ich nicht verstehe, wieso.
Außer wenn es um das Netzeknüpfen geht. Da weiß ich was los ist. So im Großen und Ganzen. Irgendwie mag Paps nicht, wenn ich das mache. Glaube ich? Wahrscheinlich, weil ich so viel falsch mache. Auch wenn meine Finger besser reinpassen, weil sie kleiner sind. Paps meint das sei eigentlich Mammas Job. Aber Mamma…
Mutter hat dafür keine Zeit. Ich weiß nicht wieso. So lange dauert das Kochen doch auch wieder nicht? Vielleicht sollte sie mich kochen lassen. Vielleicht wären wir dann beide glücklicher.
Aber sie will, dass ich das Knüpfen mache, die ganze Zeit. Sie sagt dann immer so Sachen wie „da ist die Göre wenigstens aufgehoben und beschäftigt“ oder „dann macht sich das kleine Monster wenigstens nützlich“. Aber hinterher schimpft sie trotzdem nur. Manchmal auch schon währenddessen. Auch das verstehe ich nicht so recht.
Aber ich verstehe ja sowieso erst sehr wenig. Ich höre zum Beispiel die Worte meiner Ältern – aber sie könnten genauso gut eine fremde Sprache sprechen.
„…erst drei. Du kannst doch nicht…“
„Das kleine Monster ist alles andere als…“
„… hast sie doch nicht mehr alle! Was ist nur lo…“
DONG.
Irgendetwas scheppert und dröhnt, so laut, dass selbst die Stimmen nicht mehr zu hören sind. Wahrscheinlich hat Mutter wieder irgendetwas in Vaters Richtung geworfen. Das macht sie damals gerne…
Sie reden irgendwas von … meinem Alter?
Und… Ich weiß es nicht. Irgendwas, das Mamma endlich vergessen soll, weil sie es sich sowieso nur eingebildet hat. Und Paps behauptet „du spinnst“.
Aber Mamma spinnt gar nicht. Das machen nur die Nachbarinnen, die mit den Spindeln und Spinnrädern. Und Möbel verrückt hat sie auch schon lange nicht mehr.
In meinem Kopf ist so viel Nebel wie auf dem Wasser draußen vor unserer Tür. Nebelsee so weit wie man sehen kann.
Außer auf der Dorfseite natürlich. Da ist das Dorf, und dahinter Wald. Unsere Kate steht direkt am Strand. Mamma und Paps sind nämlich Fischer. Naja, Paps vor allem. Mamma kocht und … fegt manchmal den Boden? Ich weiß nicht, ob sie früher beim Fischen geholfen hat, vor mir. Sollte sie wohl.
Inzwischen ist alles anders. Eigentlich sollte sie nach Ommá gucken, glaube ich. Aber Ommá und sie streiten auch nur immer.
Also vor allem Mamma mit Ommá. Ommá leidet dann immer nur und guckt traurig. Aber ich weiß, dass sie innendrin auch mächtig sauer ist auf Mamma. Sie sagt es nur nicht. Außer wenn sie mitkriegt, wie Mamma mich schimpft – dann nimmt sie mich hinter ihre Röcke und hält Mamma ganze Vorträge, sodass sie ganz klein wird.
Vielleicht mag Mutter mich deswegen nicht. Wer ist schon gerne klein und wird angemault? Außerdem singt Ommá der Mamma nie was vor, wie mir immer. Sie liest ihr auch nichts vor. Und sie nimmt sie nicht in den Arm. Vielleicht sollte sie das mal tun. Ich glaube ja, Mamma ist irgendwie eifersüchtig auf mich. Weil Ommá, wenn sie mal wach ist, das alles immer mit mir macht. Und nicht mit ihr.
Aber warum ist sie dann so gemein zu Ommá? Wenn sie netter wäre, würde Ommá ihr bestimmt auch was vorlesen.
Aber Mamma schreit einfach nur jeden an, wenn sie die Chance bekommt. Und schimpft, „den ganzen lieben langen Tag lang“. So wie jetzt. Ich verstehe nicht warum. Nicht …wie nennt man das, wenn man die ganze Zeit meint? Immer. Und auch nicht jetzt. Wahrscheinlich fehlen mir die Worte, um es zu verstehen.
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
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[aus „Herkunft“, Jäger-Reihe, Band 1;
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