Buch 1 – Herkunft
Alle Träume haben ein Ende. Ob gut oder schlecht. Aber ihren Ursprung zu finden? Das ist die wahre Kunst.
Buch 1 – Herkunft
Alle Träume haben ein Ende.
Ob gut oder schlecht.
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Aber ihren Ursprung zu finden? Das ist die wahre Kunst.
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PROLOG: Liliana - LICHTERFEST
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Hätte nie gedacht, dass es so schwer ist, die eigenen Erinnerungen sortiert zu bekommen...
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Da sitze ich nun, umgeben von der schönsten Natur, die man sich nur vorstellen kann:
Mein Ohr erfüllen die ätherischen Klänge von Melodien, wie sie in einen solchen Tempel der Natur passen. So schön, dass sie einen zum Weinen bringen könnten; gesungen von einem Konzert aus Vögeln, klingenden Blüten und sachte rauschenden Blättern. An meiner Seite jener Teil von mir, der mich vervollständigt. Auf meiner Haut das sanfte Streicheln des Windes zwischen den Zweigen, die beruhigende Wärme von Sonne und die noch tiefere seiner Hand.
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Und alles was ich wahrnehmen kann, ist ein völlig anderer Ort.
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Ein Ort vor dem steten Hintergrund eines riesigen Sees, erfüllt vom Nebel meiner Kindheit und dem tiefen Dunkel der noch tieferen Wälder ringsum.
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Der Nebel ist überall — im Dorf, im Wald. In meinem Kopf. Auf dem See auf der anderen Seite ist er ebenso undurchdringlich wie er in meinem Kopf scheint. Meterhoch zu einer Wand aufgetürmt und meilenweit den kompletten See zudeckend, wie ein Wall aus Nebel, der die andere Seite verbirgt.
Die andere Seite und auch das, was tief in und auf diesem See liegt. Die verborgene Insel im Nichts, das Tor hinüber, in dem etwas lauert, das man mein Schicksal oder mein Verderben nennen könnte. Selbst das erahne ich nur, mein Kopf erfüllt von Kindheitserinnerungen und Chaos. Von Gelächter und Schreien, und einer Dunkelheit, die nicht mein Problem, sondern mein Versteck ist — und kauere gedanklich in einer Ecke.
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Dabei bin ich erfüllt von einer Macht, für die andere töten würden; habe Dinge getan und überstanden, die zu vermeiden manch andere sich wünschen würden, sie würden ermordet — oder wären gleich nie geboren worden.
Ich war nie auserwählt. Ich habe mein Schicksal von Anfang bis Ende selbst gewählt und erschaffen, egal was andere behauptet haben. Ich war es, wer das hier ausgesucht hat. Es sich zu eigen gemacht hat. Nicht weil andere das wollten, sondern weil ich es für richtig hielt. Für notwendig. Und ich habe es durchgezogen, bis zum Schluss.
Trotz all dessen, was es mich und andere gekostet hat. Trotz des Blutes, das nun an mir klebt. Von uns, von ihnen... von einer ganzen Welt. Ich habe getan, was ich konnte, um sie zu retten.
Nicht in allem habe ich gewonnen. Doch das wusste ich schon vorher. Ich wusste immer, dass ich sie nicht alle retten kann. Es gab eine Zeit, da dachte ich sogar, ich könnte überhaupt niemanden retten. Aber immer wieder kam ich genau hierauf zurück. So scheißversessen darauf, andere zu retten.
Warum eigentlich? Weil ich mich selbst nicht retten konnte? Oder weil sie es wollten? Weil ich unbedingt ein Retter sein wollte?
... wollte ich denn?
Wollten sie das überhaupt?
Ich weiß inzwischen, dass ich vieles in meinem Leben getan habe, das ich selbst nie wollte. Welt, ich weiß sogar, dass oft die anderen gar nicht wollten, geschweige denn verlangten, was ich dachte, was von mir verlangt würde. Ich habe mehr von mir selbst verlangt als alle anderen. Wenn man mal von denen absieht, denen es nie um irgendein Wohlergehen ging, vielleicht nicht mal ihr eigenes.
Wie also könnte es das sein, was mich jetzt zurückhält? Ich habe den Punkt der Wahl doch längst überschritten. Habe meine Entscheidungen schon vor Jahren getroffen. Meine eigenen. Sehenden Auges, nicht länger blind. Nicht länger, was andere wollten oder auch nur vermeintlich wollten, sondern nur von einer Frage bestimmt: Was ist die Welt, in der ICH leben will? Und was bin ich bereit dafür zu tun?
Zu opfern?
Und dann habe ich es getan.
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Wie kann mir also ausgerechnet das jetzt so schwer fallen?
Ich bin nicht mehr das Kind von damals. Weder im guten noch im schlechten Sinne. Ich habe alles, was dieses Kind sich nie erträumt hätte, nie für möglich gehalten hätte. Ich weiß und ich kann, was für die Ohren dieses Kindes wie ein schlechter Witz klingen würde. Zum Beispiel in einer ganzen Welt und in der Zeit von Jahrhunderten den richtigen Ort, den richtigen Moment, die richtige Person finden. Nur zum Beispiel.
Alles was ich hier und jetzt finden muss, ist mich selbst. Eine Lektion, die ich längst gelernt glaubte. Noch einfacher sogar: Mich selbst und jene, die meinem ganz privaten kleinen Herzen am Nächsten standen; ungeachtet all dessen was ich nie für sie tun konnte noch kann.
Und einen Moment lang scheint es fast so, als ob ich ausgerechnet das nicht könnte: Uns einfach nur zu finden. Das Ich von damals.
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Aber ich muss, wenn wir die Geschichte richtig erzählen wollen. Ich muss herausfinden, was wichtig ist und was nicht; was wir erzählen sollten und was nicht...
Besonders Letzteres.
Wenn man eine bestimmte Version einer Geschichte erzählen muss, dann sollte man besser sehr gut aufpassen, dass man nicht das Falsche erzählt; dass einem nicht etwas herausrutscht, das den falschen Eindruck erweckt. Das habe ich mit der Zeit damals schon von Uhland mitbekommen, während ich schlauer wurde und mir langsam auffiel, wenn ihm sowas passiert ist. Ich weiß also, dass wir darauf sehr genau achten müssen, sonst werden sie es merken.
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Ich dachte, das wäre das Schwerste. Die richtigen Worte zu finden, die richtigen Teile; für das, was wir sie lehren, und das, wovon wir sie fernhalten wollen. Ich hatte nicht erwartet, wie schwer es sein würde, mich durch meine eigenen Erinnerungen zu wühlen und überhaupt dort Struktur hineinzubringen. Hatte nicht erwartet, was für ein Chaos dort herrscht.
Ich dachte, ich hätte das alles längst hinter mir gelassen, nach allem was war. Aber so wie es aussieht, muss ich erst einmal ganz am Anfang anfangen und mich dann chronologisch weiterarbeiten.
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Sag, ist das bei dir auch so? So ein Chaos an manchen Stellen, vor allem den frühen?
Erinnerst du dich überhaupt noch an die Jahre als du noch ganz klein warst?
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Damit zumindest habe ich komischerweise so gar kein Problem, selbst nach allem anderen nicht. Aber ich weiß, dass die Erinnerungen noch zu durcheinander sind. Und ich brauche nunmal den Beginn, oder?
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Was ist eigentlich deine erste Erinnerung?
Also, zumindest die, welche du noch erinnerst?
Ist sie auch so verschwommen?
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Ich frage mich, was es bei normalen Leuten ist.
Ein Geruch vielleicht? Ein Geräusch? Etwas, das man gesehen hat und unbedingt haben wollte?
Oder ist das normalerweise irgendetwas völlig Zufälliges…? Wie früh erinnern Menschen eigentlich überhaupt etwas?
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Honeylips.
Das vage Gefühl sachten Drucks auf meiner Hand, langsam schwerer wahrnehmbar, während ich in die Nebel eintrete. Ein Nachhall von Worten, die aus Jetzt oder schon Vergangenheit stammen könnten. Es wird zunehmend schwerer auseinanderzuhalten.
Focus.
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Okay, okay, du hast Recht, ich prokrastiniere. Da ist etwas, wo ich immer noch nicht hin will, oder?
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Obwohl es so prominent ist. Vielleicht gerade deswegen?
Aber ich bin mir wirklich noch nicht ganz sicher:
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Woran macht man fest, dass es die früheste Erinnerung sein muss und nicht erst eine spätere ist?
Woran würdest du es festmachen?
Vielleicht wie groß alles im Vergleich zu dir selbst ist? Der Blickhöhe?
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Hmm… now, there’s a thought. Vielleicht habe ich gerade etwas gefunden, das eindeutig genug scheint, um mich daran festzuhalten und es endlich sortieren zu können, dieses ganze Wirrwarr; auch wenn es ist wie ein Dutzend schrecklich verhedderter Wollknäuel wieder aufzurollen, mit denen zuvor eine Horde Katzen gespielt hat.
Gut, dass wir drüber gesprochen haben.
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Das Bett.
Es ist das Bett, nicht wahr?
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Das Bett, unter dem ich mich verstecke.
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
English Version
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[ aus „Herkunft“, Jäger-Reihe, Band 1 ]
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