Kapitel 3: Lichterfest - Liliana (Pt.3)
Tays Gesicht war verkniffen, als hätte er irgendwas besonders Saures schlucken müssen. Ehe er -für uns- rasch wieder ein Lächeln auflegte.
„Hast du Prügel bekommen?“ fragte Anur trotzdem, in einem Ausdruck wie ein Welpe mit großen Augen, der mitfühlend -oder schuldbewusst…- den Kopf in seine Schultern zu ducken versucht und die Ohren hängen lässt. In etwa so, wie Prinz das gerade tat. Sein Hündchen, das er dieses Jahr zum Namenstag bekommen hatte; das doch gar nicht wusste, was los war. Wahrscheinlich ahmte es schlicht sein Herrchen nach. Das tat es -zu unser aller Amüsement- ohnehin sehr gerne. Übrigens nicht nur bei Anur.
„Aber nicht doch“, wuschelte Tay dem kleineren Jungen mit mildem Ton übers Haar. Was Prinz dazu brauchte, zu unserem erleichterten Schmunzeln, laut und freudig bellend um die beiden herumzuwuseln. „Du weißt doch, wie mein Vater ist. Doch nicht von dem.“ Er sah einen kurzen Moment zur Seite.
Irgendetwas in seiner Haltung… Als ob er sich fast wünschen würde, es hätte welche gegeben.
„Nur im Vorträge halten, da ist er gut drin.“ Mit diesen Worten pustete Tay mit der Unterlippe nach oben als wolle er eine Locke aus seinem Gesicht vertrieben, die da gar nicht war. Zu dem Zeitpunkt hatte er immer noch kurze Haare. So viel älter als wir war er schließlich auch wieder nicht. „Außerdem halten die meisten Tante Caeda ohnehin für verrückt… und…“ Jetzt sah er für einen Moment irgendwie so richtig verkniffen aus und warf uns allen einmal einen scharfen Blick in die Runde.
„Nachdem sie jetzt auch noch von Geistern angefangen hat, die sie angeblich erschreckt hätten… und ich ihr nur geholfen hätte?“ Sie hatte… was?! Warum das denn?
„Vielleicht sollten wir ihr mal ein Weilchen Ruhe geben und in nächster Zeit besonders nett zu ihr sein, hm?“
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An dem Punkt möchte ich gerne eingeworfen haben, dass wir durchaus nicht immer nur gemein zu ihr waren. Wir brachten ihr sogar ziemlich oft irgendwelche gutgemeinten Kleinigkeiten – auch wenn sie diese mit ihren Marotten wiederum nicht immer zu würdigen wusste…
Zumindest wusste sie aber offenbar die Geste als solche zu schätzen. Wir pflückten ihr Blumen, halfen manchmal sogar freiwillig bei irgendwas -gut, die Bonbons oder Kekse, die sie immer mal wieder verteilte als Belohnung waren sicher ein Anreiz- oder schauten gelegentlich auch einfach einmal bei ihr vorbei, um mit ihr über dies und jenes zu plaudern, ihr unsere neuesten Errungenschaften zu zeigen – wie den tollen bunten Stein, den wir im Bach gefunden hatten, oder die Kette, die wir aus Blumen geflochten hatten oder das -kaum als solches erkenntliche- Tierchen, das wir geschnitzt hatten – oder aber um von unseren neuesten Heldentaten zu berichten. Sei es von der gloriosen Vertreibung oder Vernichtung der Maus- oder Ameisenpopulation bei uns zuhause, der Erkletterung des hohen Baumes am Waldrand oder auch des Apfelbaums beim Gasthaus, und nicht zuletzt dem Fang eines besonders großen oder schönen Fischleins aus dem Bach.
Ja, dem Bach. Die im See waren noch zu groß und schwer für uns Kleinen, wisst Ihr? Nebeltränen sind alles andere als kleine Fische. Die sind soooo groß. Guck mich nicht so, Mia, das ist wirklich wahr. Frag deine Mamma, wenn du’s nicht glaubst, die hat sie auch gesehen.
Geschichten wie denen von den Mäusen und Ameisen bei uns daheim lauschte Tante Caeda natürlich ebenso mit Interesse wie nur schwer verborgenem Grausen. Und einer gewissen Erleichterung – ob sie nun dafür dankbar war, dass die Viecher nicht wieder ihr Heim belagerten oder weil es ihr Hoffnung gab, dass weniger Viecher bei den Nachbarn auch zu weniger entsprechenden ‘Besuchen’ bei ihr führen würden.
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Also klar, natürlich planten wir schon, wie wir unsere Fehler von vorhin wieder wettmachen könnten. Um genau zu sein, hatten wir in der letzten Stunde kaum von irgendetwas anderem geredet. Und wie wir solche Unglücke wohl nächstes Mal vermeiden könnten. Denn wie gesagt – keiner von uns hatte ihr wehtun wollen. Und Scherben wollten wir eigentlich auch nicht verursachen. Wir hatten doch nur ein bisschen harmlosen Spaß gewollt…
Tay boxte Anur sacht mit einem Ellenbogen in die Seite – und rüttelte damit auch uns aus solchen Gedanken.
„Na, genug davon. Habt Ihr Eure Kerzen schon ohne mich abgeholt, hm?“
Anur schüttelte heftig den Kopf und wir anderen natürlich auch.
„Oooh… Anur, können wir bei deiner Mam zuschauen, wie die Bötchen gemacht werden?“ schaltete sich Ferrick plötzlich ein.
Ein paar verwunderte Blicke fanden ihren Weg zu ihm hinüber. Seit wann interessierte sich Ferrick für Papierbötchen? Noch dazu, da er bei seinem Vater daheim zuschauen konnte, wie echte Boote gemacht wurden… Man sollte meinen, dass die für einen Tüftler, wie er scheinbar einer werden wollte -wenn man die Dreckschleuder von vorhin bedachte; funktional oder auch nicht- sich eher für so etwas interessiert hätte als fürs Papierfalten. Ferrick lief doch tatsächlich ein bisschen rot an.
„Oh, jetzt guckt nicht so! Als ob ihr noch nie hättet wissen wollen, wie das geht!“
Ich meine, klar, hatten wir. Ich vor allem… Um genau zu sein, ich musste dieses Jahr unbedingt wissen, wie das ging. Ich konnte nicht ewig nur Anurs Mutter anbetteln, wenn ich langsam selbst groß genug war, das zu machen. Und Ommá…
Ich verkniff mir den Gedanken, um nicht urplötzlich in Tränen zu verfallen, sodass mich alle anstarren würden und konzentrierte mich lieber auf das Praktische. Feréll braucht immer noch ein Bötchen. Mir war mehr als nur recht, dass Ferrick ausgerechnet diesen Vorschlag brachte, was wir heute noch so tun könnten, statt dass er wie sonst immer zum Wald oder Bach hinausgewollt hätte, für neue Bauvorhaben oder Wettrennen, bei denen er mit seinen langen Beinen glänzen konnte. Manchmal auch für Mutproben zu Müller — da nahm er den Mund immer ganz schön voll. Auch wenn er dann manchmal trotz seiner Prahlerei die Hosen doch eher gestrichen voll hatte. Dass er heute mal was ganz Anderes wollte, kam mir gerade sehr entgegen. So kam ich doch tatsächlich darum herum, selbst den Mund aufmachen zu müssen… Aber die anderen fanden es offenbar erstmal zu schön, Ferrick seines akuten Interessenwandels wegen zu triezen.
Lang genug, dass ich es schon mit der Angst zu tun bekam, er könnte seine Meinung ändern. Stattdessen platzte er schließlich halb-verzweifelt mit etwas heraus, über das wir alle Stillschweigen schwören mussten.
„Es ist nicht für mich, Ihr Dösbaddel! Ich krieg ein kleines Schwes-“ Er schlug sich hastig auf den Mund und sah sich hastig um, als fürchte er einen Angriff von irgendeiner Seite. Ich starrte ihn verwirrt an, ehe mir die Worte der anderen auf die Sprünge halfen – und dann seine eigenen.
„Du kriegst ne Schwester? Ja Mensch, Glückwunsch!“
„Warum sagst du das denn nicht gleich?“
Sie bestürmten ihn von allen Seiten, als wäre er irgendwie verantwortlich dafür.
„Sch… Seid leise! Seid leise, verdammt!“ herrschte Ferrick sie alle an. „Mam hat doch gesagt, ich darf das noch nicht verraten!“ Die Glückwünsche und weiteren Fragen wandelten sich prompt in verschwörerisches Flüstern, bis Ferrick sich endlich erklärte.
„Na, weil’s noch zu früh ist, sagt sie. Sie hat es Paps noch nicht mal gesagt. Wirklich, Ihr müsst mir schwören, dass Ihr dass absolut niemandem sagt. Keiner Menschenseele, hört Ihr?!“ Ein Begriff, den er bei Uhland aufgeschnappt haben musste.
Was war eigentlich eine Menschenseele? Scheinbar war es irgendwas, das man essen konnte? Ich war immer noch verwirrt.
Dann sickerte langsam bei mir ein, was Ferrick noch gesagt hatte. Oh. Das erklärte natürlich, warum wir es nicht weitersagen sollten…
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Vielleicht eine halbe Stunde später fanden wir uns dieses Mal alle neugierig beim Papierfalten zusehend. Nachdem Anur seine Mutter und Wiebke, seine -deutlich- ältere Schwester, bestürmt hatte, uns zusehen zu lassen, hatte sie natürlich nur freundlich lächelnd zugestimmt. Adelheid konnte ihrem Jüngsten absolut gar nichts abschlagen. Zumindest habe ich das noch nie erlebt. Wir waren nicht alleine mit dieser Beschäftigung – tatsächlich hatten sich noch mehr der Dörfler zum gemeinsamen Falten im Gasthaus eingefunden, die Tische ausnahmsweise zu einer Art großem Langtisch zusammengerückt, wie eine Art riesiger Werkstattbank. Das Gasthaus wirkte gerade auch mehr wie eine Werkstatt. Inklusive des zu erwartenden Herumgewusels von Leuten – okay, vielleicht auch in dem Fall von mehr Kindern als erwartet – und teils heftigen Tratsches, während die Leute arbeiteten. Ich hatte nicht gewusst, dass sich die Erwachsenen hier zum Falten trafen. Ommá hatte das immer bei uns daheim gemacht. Ich hatte das letztes Mal, als das so lief, nur an der Hintertür geklopft, um dann schnell wieder zu verschwinden. Und unsere Ältern gingen da sowieso nicht hin. Woher hätte ich es also auch wissen sollen… Trotzdem schalt mich meine innere Stimme dumm dafür, dass ich das nicht einmal geahnt hatte. War doch nur logisch! Vor allem wenn es im Gasthaus -allem Anschein nach- heute kostenlos Essen und Trinken dazu gab, weil ja Lichterfest war. Kein Wunder, dass die Bude brummte.
Eines der Hauptgespräche war natürlich der Vorfall bei Tante Caeda vorhin, den ihre Nachbarn mit hereingebracht hatten – oh nein, nicht wir. So doof war keiner von uns…
„Wie soll das mit ihr nur mal werden?“ seufzte eine von Caedas Nachbarinnen. „Stell dir mal vor, wenn das schlimmer wird, wenn sie älter wird.“
Ihre Freundin nebendran rümpfte hörbar die Nase. „Pah. Wie soll das denn überhaupt noch gehen?“
„Na, offenbar geht es. Hast du nicht gehört, was sie vorhin erzählt haben soll?“ schaltete sich jetzt auch die Nachbarin von deren linker Hand ein. „Geister.“ Sie spuckte das Wort selbst halb ungläubig aus. „Geister. Wer glaubt denn an sowas?“
„Na, darüber kannst du dich ja wohl kaum wundern, meine Liebe“, meinte ihr Mann von der anderen Tischseite. Der neben ihm brummte zustimmend.
„Immerhin hat sie vorher schon von Kobolden geredet. Wer so ein abergläubisches Zeug redet…“
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Es war nicht das erste Mal, dass ich solche Sachen über unser liebes Tantchen hörte.
Damals -während ich gerade dort an diesem Tisch saß und versuchte, irgendwie auf die Finger von Wiebke und Anurs Mutter aufmerksam zu sein, während überall um mich herum so viele ablenkende Gespräche stattfanden, meine ich- war unser liebes Tantchen noch recht jung, irgendwas zwischen 30 und 40 Lenzen. Aber meine Mutter und Tante Caedas Nachbarin jetzt waren alles andere als die Einzigen im Dorf, denen schon einmal über die Lippen gekommen war, wie das nur enden sollte, wenn sie älter wurde – und sich irgendwann nicht mehr um alles selbst kümmern konnte. So wie Ommá. Die konnte auch schon länger vieles nicht mehr. Scheinbar war das bei allen irgendwann so. Zumindest war klar, dass das die Älteren dachten. Auch wenn ich mir das kaum vorstellen konnte und das für ziemlich unglaublich hielt. Ommá war eindeutig krank.
Tantchen auch irgendwie. Ihre Absonderlichkeit mit den winzigsten Abweichungen bei der Essenszubereitung und die Furcht vor Getier waren nämlich noch nicht das Ende der Liste, vielmehr schienen ihre Marotten tatsächlich Jahr für Jahr zuzunehmen, wie ich aus späteren Jahren leider bestätigen kann. Auch wenn sie an diesem Tag eindeutig log mit ihrer Geschichte von Geistern – das glaubte sie eindeutig nicht selbst. Sie musste es gesagt haben, um Tay vor Strafe zu schützen, der schließlich nur hatte helfen wollen. Warum sie nicht einfach gesagt hatte, dass ich das war, die ich da so offensichtlich mit Feréll vor ihrer Nase aufgetaucht war… Naja. Vielleicht weil sie sich nicht hatte sicher sein können. Oder nicht wollte, dass Feréll was mit abbekam. So oder so, wenn die Ansammlung an Marotten, die sie bis zu der Zeit schon angehäuft hatte, weiterhin so beständig steigen würde wie seit ihren Kindertagen, so meinte eine Freundin meiner Mutter einmal zu ihr – man wusste nicht so genau, wann es begonnen hatte; aber es dürfte wohl gut hinkommen, dass es etwa um die Zeit geschah, als ihr Vater frühzeitig verschied – dann könne man sich fragen, wie sie überhaupt noch zu Rande kommen sollte. Armes Tantchen.
„Abergläubige? Pah! Die glauben doch alles!“ krähte kurz darauf die raue Stimme vom Alten Armin zwei Tische weiter herüber und riss mich erneut aus meiner Konzentration aufs Falten, lautstark wie immer. Dass der Alte Armin nicht noch versuchte, den Sprecher selbst von dort aus mit seinem Stock zu erwischen war aber auch alles. Wenn das so weiterging, würde ich nie und nimmer heute ein Bötchen für Feréll zustande bekommen. Nicht mal wenn Anurs Mutter gerade eine Weile nach dem Kleinen sah, die so vernarrt in Babys schien.
Selbstverständlich faltete der Alte Armin überhaupt nichts. Der ließ allenfalls falten. Aber was hätten sie sonst mit ihm tun sollen, als ihn mit herschleifen? Das war nicht viel anders als mit meinem Brüderlein und anderen Babys. Also… natürlich schon. Babys keiften längst nicht soviel wie der. Und sie versuchten auch nicht ständig alles in ihrer Nähe mit ihrem Stock zu schlagen… naja, außer vielleicht… Kneif dich zusammen, Lili. Konzentration! Ich riss meinen Blick von des Alten Warze los. Der mit den zwei fetten dunklen Haaren, an seiner rechten Schläfe. Okay, dem Muttermal. Es sah für mich mehr aus wie eine Warze. Aber Dankrun hatte sie ihm nie herausgeschnitten, also… war es wahrscheinlich schon einfach nur ein Muttermal. Außer er versuchte selbst unsere Heilerin mit seinem Stock zu hauen. Der Gedanke ließ mich leise kichern. Dass irgendwer versuchen würde, sie zu hauen, war… ziemlich unerhört. Sie war selbst… wie sagten die Älteren da? Ziemlich… Renni… Beni? Irgendwas mit tent… Sie konnte sich mehr als nur wehren, soll das heißen.
Wie so ein Kampf wohl ausgehen würde? Schwer zu sagen. Aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit… wohl mit Sieg: Dankrun. Der alte Armin war noch knorriger als Dankrun; auch deutlich mehr vom Wetter gegerbt – und im Gegensatz zu ihr ein ziemliches Klappergestell. Er gab zwar ein irgendwie ähnliches Bild ab wie sie, zumindest was die Unbeliebtheit anging; unheimlich war er uns Kindern aber in einem etwas anderen Sinne. Der wollte gar keine Ruhe, sondern erwartete im Gegenteil, dass jeder ihn betüdelte – und wer seinen Wünschen nicht prompt nachkam, der wurde mit Schimpftiraden überschüttet bis er außer Hörweite war…. und auch noch eine ganze Weile hinterher. Vorausgesetzt er war nicht in Reichweite. Was die meisten von uns hurtig gelernt hatten, zu sein.
Denn war man stattdessen in der Nähe, konnte man sich sicher sein, dass sein Stock irgendeine empfindliche Stelle traf, die er malträtieren konnte. Sodass man entweder eiligst seinen Wünschen nachkam – natürlich immer noch unter dem Genörgele des alten Plagegeistes, der an Allem etwas auszusetzen fand – oder aber schleunigst das Weite suchte. Was aber, nach allgemeinem Empfinden, einen Ohrenschaden nach sich ziehen konnte.
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Dummerweise war der alte Knacker aus irgendeinem Grund bei den Erwachsenen scheinbar trotzdem recht angesehen; sie brachten ihm einen gehörigen Respekt entgegen und zu diesem und jenem schien seine Meinung auch noch hochgeschätzt zu sein. Meistens was das Fischen anging, obwohl er sicherlich schon seit Jahren kein Netz mehr gehalten hatte.
Irgendwann einmal musste er wohl anders gewesen sein. Womöglich schuldeten ihm gar einige Anwohner etwas? Zumindest würde das erklären, dass er immer noch mit Hochachtung behandelt wurde, obwohl er für jeden Nörgeleien fand und beinahe ständig auf irgendwen und irgendwessen Unfähigkeit schimpfte. Gut, Letzteres mochte nicht immer völlig unbegründet sein; aber er übertrieb maßlos.
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Dummerweise natürlich deswegen, weil dieser Respekt leider nach sich zog, dass Kinder, die zum Missfallen Armins handelten – und diesen tat er ja immer überlaut Kund – sich damit schnell eine Tracht Prügel einfingen. Gelegentlich eine zusätzliche, nämlich wenn er einen vorher schon mit seinem berühmt-berüchtigten Stock erwischt hatte.
Für uns war es also die sicherste Methode, einen weiten Bogen um ihn zu machen und möglichst gar nicht erst in die Nähe seiner Kate zu kommen. Jetzt gerade konnte wir uns nur bemühen, um den Tisch da drüben einen großen Bogen zu machen und möglichst nicht aufzufallen.
Selbst aus der Nähe seiner Kate zu bleiben war leider auch nicht immer möglich – da uns die Ältern gelegentlich ausschickten, um diesen oder jenen Dienst für seine Familie zu erledigen; wie man sich eben unter Allen bei diesem oder jenem gelegentlich aushalf. Wann immer das der Fall war, konzentrierten sich die Wünsche der nächsten Wochen darauf, nur ja nicht so bald wieder dorthin zu müssen…
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„Ungh. Was macht denn der hier?“ stöhnte Anur leise. Offenbar nicht leise genug, denn er erhielt prompt einen leisen Nackenstüber von seiner großen Schwester.
„Anur.“ Raunte sie ihn an, selbst älter tuend als sie war. Boah. Die stand aber auch nur immer auf der Seite der Älteren. Auch wenn der Nackenstüber sehr, sehr leicht gewesen war. Nicht mal sie konnte Anur je wirklich böse sein. Dafür uns anderen umso mehr. Also brav raushalten… Den Fehler hatte ich nur einmal gemacht. Die regelten das schon untereinander. Und Anur bekam sowieso nie wirklich etwas ab. Meistens bekam er nach sowas hinterher sogar irgendwelches Naschzeug. Der hatte es gut. Anurs Mutter warf den Beiden prompt einen scharfen Blick zu. Hm. Vielleicht nicht mal nur das. Dass Wiebke nur auf Seiten der Älteren stand, mein ich. Adelheid schien sehr der Meinung zu sein, dass Anur nicht mal dieses Bisschen verdient hatte. Ich konnte regelrecht sehen, wie sie Wiebke gerne gescholten hätte. Und das nur nicht tat, weil so viele andere Leute da waren.
Der Alte Armin keifte derweil munter weiter, schon wieder den nächsten ‚Schuldigen‘ gefunden habend. Keine Ahnung, was der sich nun wieder erlaubt hatte. War auch egal.
„Der hört echt nie auf, oder?“ wisperte Ferrick von der Seite. Bernd und Jannai zuckten mitfühlend zusammen, als der Alte seinen Stock hob und damit aller Blicke auf sich zog. Erstaunlicherweise zog er ihn hier und heute ausnahmsweise zurück, schüttelte ihn nur drohend und begnügte sich ansonsten mit einem weiteren Nachsetzen an Gekeife. Es wäre nicht das erste Mal, dass er auch einen der Älteren damit geschlagen hätte. Aber scheinbar wollte nicht mal er das an so einem Festtag vor aller Augen machen. Wenn allerdings nicht so viele auf einmal hinsahen? Festtag hin oder her… Das hatten den noch kaum je abgehalten. Wie des Alten Armins Familie sein ständiges Gemecker und all die Schläge eigentlich aushielt, war uns allen jedenfalls ein unerklärliches Rätsel.
Nur keines, um das man lange gegrübelt hätte, und das nicht nur heute. Wir konzentrierten uns rasch wieder auf die Faltereien. Weil man ja am liebsten an Armin und die dazugehörigen Plackereien gar nicht denken wollte; obwohl Letztere ohne sein ständiges Meckern und die Stockschläge gar nicht so schlimm gewesen wären.
So jedoch war er ein Schreckgespenst, das unter der Kinderschar -nicht nur unserer, sondern auch vorhergehenden Generationen und noch der nach uns; der Alte war nämlich erstaunlich langlebig- allgemein gefürchtet wurde und sogar sprichwörtlich geworden war. In so typischen Sprüchen wie „wart nur, wenn du wieder zum Armin musst“ oder „der schimpft fast so schlimm wie der alte Armin“. Ein anderer Spruch bezog sich in weniger ehrfurchtsvoller, sondern vielmehr unserem Unmut über seine Malträtierungen Luft machender Weise auf besagtes fettes Muttermal und die zwei fetten Haare – schwarz wie sie waren, während sein schütterer Schopf, der ohnehin eher ein Haarkranz war als noch ein Schopf, ansonsten doch nur noch weiß war. Nicht dass den Insider je jemand ohne Erklärung hätte verstehen können.
Der hat seine schwarze Krone echt verdient“, hörten wir den neuesten Malträtierten leise fluchen, als er uns vorbeikam.
Und konnten nur stillschweigend zustimmen.
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So oder so, wir hatten unseren Spaß an diesem Festtag – und da wir dieses Mal glücklicherweise ungeschoren davonkamen, schaukelte sich die Stimmung bis zum Abend schließlich noch weiter hoch, nachdem Ferrick und ich endlich zum ersten Mal sowas wie ein Bötchen geschafft hatten. Ich versteckte meines und überließ Ferrick die Aufmerksamkeit. Seines war sowieso schöner als meines. Armer Feréll. Er würde mit einem zerknitterten Boot vorliebnehmen müssen. Aber immer noch besser als gar keines.
Der Gedanke verschwand rasch wieder, als wir uns schließlich unseren Freunden draußen wieder anschlossen. Wir hatten heute noch so einiges anderes vor uns, das jeden miesen Gedanken aus dem Kopf blies. Von Renn- und Fangspielen auf dem Dorfplatz und einer kurzen, nach der Rennerei umso schmackhafteren kurzen Pause zum Essenfassen über Schneeballschlachten zwischen den Katen bis hin zum wohligen Entspannen der schließlich doch angestrengten und ermüdeten Glieder beim Planschen im warmen Wasser des Sees.
Der Nebelsee hatte nämlich die überaus erfreuliche Besonderheit, dass er jahrein, jahraus einer riesigen heißen Quelle gleich eine konstant lauschig-warme Temperatur beibehielt. Naja gut, im Sommer war das gelegentlich nicht mehr so angenehm – dann nahm man lieber mit dem kleineren, aber kühleren Nass des Baches vorlieb. Im Winter aber war die überraschende Wärme einfach herrlich, besonders natürlich nach einem ganzen Tag voller Spiel und Faxen, bei dem man sich gehörig ausgetobt hatte.
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
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