Kapitel 2: Der Schwarze Turm
Da standen wir nun und bestaunten mal wieder den Klotz, der wie aus einem Guss wirkte, und so gar nicht in die Landschaft passte.
[ Heute ist mein Geburtstag - zur Feier des Tages gibt’s für Euch heute gleich zwei Teile auf einmal : ]
Da standen wir nun und bestaunten mal wieder den Klotz, der wie aus einem Guss wirkte, und so gar nicht in die Landschaft passte.
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Okay, ich stand und bestaunte. Die anderen spielten Fangerles um den Turm rum. So für den Extra-Nervenkitzel, falls doch was rausspringen sollte. Aber Feréll war schläfrig, also war Mitmachen grad raus.
Der Turm machte es aber halbwegs wett. Jedes Mal.
Er sah aus als hätte irgendein überdimensionierter Riese sich gänzlich anderswo ein Stück eines Gebirges abgebrochen und irgendwann die Lust an seinem Spielzeug verloren und es weggeschleudert, sodass es hier jetzt in der Erde steckte wie einer dieser fallenden Sterne, die angeblich beim Aufprall Metallklumpen hinterließen.
Hatte jedenfalls Uhland mal so erzählt. Ob man ihm das glauben sollte? Wer weiß das schon. Uhland erzählte viel, wenn der Tag lang und er durstig sowie ausnahmsweise mal guter Laune war. Was selten war, aber dafür umso angenehmer. Das absurde Zeug, was er dann zusammenreimte, war noch köstlicher als der Anblick hier. Gerade war er aber nirgendwo aufzutreiben, was hieß, er hatte sich daheim vergraben und wollte seine Ruhe. Wahrscheinlich schlief er noch den Rausch von gestern aus. Ich hatte zumindest gedacht, vorhin ein leises Schnarchen zu hören. Aber wer weiß. Womöglich narrten mich mal wieder meine Ohren. Das taten sie ständig.
Ich legte andächtig meine Hand auf den glatten Stein und versuchte das laute Lachen und Kreischen hinter mir auszublenden. Versuchte eine Position für mein Gesicht zu finden, die meinen Augen erlaubte, genau so draufzuschauen, dass ich das tolle Glitzern sehen konnte, dass der Stein im richtigen Licht hatte. Aber dafür war es wohl einfach zu hell. Gerade schien er mal wieder das ganze Licht zu schlucken, als bestünde er aus Schatten. Atmendem Schatten. Ich konzentrierte mich aufs Lauschen, während Feréll an meine Beine gelehnt leise säuselte. Manchmal… manchmal schien der Stein beinahe zu gluckern. Ich hatte immer noch nicht herausgefunden, was das war.
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Und ja, ok, meine Fantasie übertrieb wohl mal wieder etwas. Er war natürlich nicht wirklich schwarz. Vielleicht ein bisschen dunkler als das meiste Gestein, das es sonst so in der Gegend gab.
Hauptsächlich sah er so aus, als hätte es um ihn herum einmal kräftig gebrannt und er sei noch immer von altem Ruß eingefärbt. Nur dass er nicht abfärbte, wenn man den Stein betatschte.
Aber vor allem war der Name, den wir ihm gegeben hatten, auch einfach einer dieser lautmalerischen Begriffe, so wie man Dinge eben gerne als ‘schwarz’ oder ‘dunkel’ bezeichnet, damit sie ein bisschen unheimlicher klingen — auch wenn ich das, ehrlich gesagt, nie so ganz verstand. Wer hatte denn bitte Angst vor Dunkelheit? Wo doch schon allein die Haut der meisten dunkel genug war, dass man darin kaum auffiel. Heißt: Sich wunderbar verstecken konnte. Und das ist doch was Positives. Was das mit unheimlichen Geschichten zu tun hat, konnte ich mir also nicht erklären. Aber so war es.
Auch mit diesem Turm.
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Ein Turm, der keinen sichtbaren Eingang hatte, wo Türme normalerweise einen haben sollten, also unten. Es gab schlicht und ergreifend keine Tür; nierda, sherbas. Auch keine versteckte mit irgendeinem tollen Druckmechanismus, den wir je gefunden hätten oder dergleichen. Und übrigens nicht einmal Fenster, jedenfalls nicht so weit wir hinaufblicken konnten.
Dafür aber gab es diese wunderbare Geschichte, dass dort einmal ein Vampir gehaust haben sollte.
Und manchmal... wenn ich ganz konzentriert lauschte, so wie jetzt?
Da war es fast... als verstecke sich ein leises Atmen in dem sonnengewärmten und doch merkwürdig kühlen Stein unter meiner Hand. Fast als könnte ich einen Herzschlag erahnen. Sehr, sehr langsam. Und extrem leise. Tief schlummernd vielleicht?
Oder sehr tief eingeschlossen...
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“Wie so oft in solchen Fällen hatte die Geschichte natürlich genau die umgekehrte Wirkung – was Kinder eigentlich abschrecken sollte, hat sie in Wahrheit eher noch angezogen.” Ein rascher Schluck aus der Flasche.
“Aber wer weiß, womöglich sollte die Geschichte ursprünglich auch überhaupt nicht abschrecken? Das wäre nun davon abhängig, wer sie eigentlich in die Welt gesetzt hat und weswegen; wie sie sich entwickelt hat.
Aber das... ist verloren im Nebel der Geschichte, wie man so schön sagt.”
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Um genau zu sein gab es sogar zwei Türme.
Aber der zweite ging beständig unter, wenn man von dem Turm redete – obwohl es ja eigentlich zwei waren. Denn der zweite war einfach nur ein stinknormaler Wachturm.
Auch dort gab es Spuren, dass es hier wohl einmal gebrannt hatte, wie ich immer wieder aufs Neue erstaunt feststellte.
“Betatschen inklusive. Ist ja klar, oder?” Ein Lächeln in Richtung derer, die es noch nicht vergessen haben oder heute noch dazu geneigt sind. Ich kann es ja nur allzu gut nachvollziehen; diesen inneren Drang, alles mit Ertasten zu ergründen, weil Struktur und Textur so interessant sein können.
Die waren allerdings deutlich normaler als beim schwarzen Turm hier -bei dem sich die Färbung komplett bis zur Spitze hochzog und das ohne wirklich sichtbare Schlieren- während solche an unserer Kletterstelle sehr wohl vorhanden waren. Bei der wand sich die rußige Färbung, die sich ins Gestein gefressen -und es dort auch entsprechend bröckelig gemacht hatte; was beim Schwarzen nicht der Fall zu sein schien- nur unregelmäßig an seinem Fuß hoch. Der Wachturm sah entsprechend angekokelt aus. Und ehrlich gesagt auch etwas unsicher zum Klettern. Aber das war unser Kletterturm. Der Schwarze war ja schließlich viel zu glatt dazu.
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Versucht Ihn euch mal so richtig schön bildlich vorzustellen, dieses Trumm. Einfach grandios:
An einer Seite waren Teile des Mauerwerks eingestürzt oder herabgefallen und es hatte ihn offenbar keiner wieder instandgesetzt, nachdem irgendwann über die letzten Jahrzehnte oder Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war, wozu das Ding eigentlich überhaupt erbaut worden war.
Es wusste auch keiner mehr so genau, wann er erbaut worden war. Vermutlich irgendwann noch vor den letzten drei Kriegen mit dem Nachbarland?
Jede Menge Dinge also, die man erkunden und über die man spekulieren konnte. Ich liebte es.
Auch wenn das hieß, dass ich gelegentlich Dreckbollen abbekam.
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Jannai hatte mich nämlich vorhin dazu gebracht, mit ihr und ein paar anderen den Wachturm zu erklimmen, während der Rest -Feréll inklusive; denn Tay gab einen hervorragenden großen Bruder ab- unten den “Belagerungstrupp” spielte. Natürlich erst nachdem wir uns Wurfgeschosse zugelegt hatten, die “Pech und Feuerregen” -Wassereimer- wie auch Pfeile und mächtige Steinbrocken für Katapulte -kleine weiche Samenkapseln und besagte Dreckbollen- ersetzten. So wie sie Uhland ein paar Tage zuvor in einer seiner Geschichten geschildert hatte. Da kam auch die Sache mit diesen “Kriegen” her.
Fragt nicht, wie lange wir gebraucht haben, die verdammten Wassereimer da hochzubringen. Tay musste mithelfen, damit wir es überhaupt hinbekamen, so mit einer Räuberleiter und weit hochstrecken zum Weiterreichen auf den nächsten Vorsprung. Hätte sonstwas bei passieren können.
Tat es aber nicht. Und der Wasserguss, den Bernd und Laurie am Ende abbekamen, war es absolut wert gewesen.
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... mindestens vor einem Jahrhundert dann? echote die Frage erneut durch meinen Kopf, während die Erinnerung prompt in Bildern an mir vorbeihuschte, durchmischt mit all den Bildern, die Uhlands Erzählung hervorgerufen hatte. Für einen Moment vergaß ich sogar den Turm, an dem ich lauschte.
Zugegeben, das Geschrei der anderen passte auch eher zu den Bildern von vorher als zu meinem neuesten, zum Scheitern verurteilten Versuch, die Quelle des Herzschlags auszumachen.
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“Mindestens vor einem Jahrhundert, denn so lange war es her, dass der letzte Ustinsche Soldat einen Fuß so weit ins Landesinnere von Oril gesetzt hatte. Es sei denn, das wäre nachträgliche Propaganda; aber bei so einer großangelegten Vertuschung wäre doch sicher hier oder dort irgendwo etwas durchgedrungen?
Wahrscheinlicher ist, dass es –in diesen letzten Grenzstreitigkeiten jedenfalls– tatsächlich nie dazu kam. Was natürlich nicht heißt, dass man es nicht befürchtet haben könnte. Aber dennoch war es unwahrscheinlich, dass man deswegen in Nebelfurth einen Turm errichtet hätte – denn unser schnuckeliges kleines Örtchen an seinem nicht ganz so schnuckeligen riesigen See… lag an der unteren Südgrenze Orils. Während Ustine erst irgendwann ganz im Norden anfing. Nicht dass ich sowas damals hätte in Worte fassen können. Ich hatte nur Bilder im Kopf.”
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Und war die ganze Zeit immer noch versucht, auszurechnen, was Uhland uns da erzählt hatte, in jeder freien Minute.
Das beschäftigte mich jetzt schon seit Tagen, wann immer mich nicht etwas anderes ablenkte. Auch wenn es mein kleines Hirn ziemlich zum Rauchen brachte, weil ich die Rechnungen dahinter noch nicht wirklich begriff. Ustine hatte es in all diesen drei Kriegen nie geschafft, in Oril einzumarschieren. Behaupteten jedenfalls unsere Alten.
Das hieß...
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Watsch!
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Ich erinnerte mich nur zu gut und rieb mir abrupt in Erinnerung versunken die Backe. Das war der Moment gewesen, in dem der Erdbollen vorhin meine Spekulationen durchbrochen hatte, weil ich mich hinter dem Mauerbrocken zu sicher gefühlt hatte. Hatte vergessen, dass die anderen ja untenrum einfach die Seite wechseln konnten. Nicht fair.
In meinem plötzlichen Schrecken war ich abrupt ins Rudern geraten bei meiner Ausweichbewegung und hätte beinahe den Abgang gemacht — aber Jannai hatte mich natürlich sofort gepackt, festgehalten und mit einem Ruck in die richtige Richtung, in Sicherheit, gezerrt. Auch wenn sie sich dafür ebenfalls einen Klumpen und einige Samenkapseln von unten eingefangen hatte. Jannai war toll.
Die beste große Schwester, die man sich wünschen konnte. Schade, dass sie nicht wirklich meine Schwester war. Manchmal fragte ich mich, ob sie nicht sogar meinen Ältern hätte Verstand beibringen können mit ihrem Sturkopf. Jannai war eine Mauer. An ihr kam man so schnell nicht vorbei.
Aber ich schätze, auch sie konnte wenig gegen Ältern tun, die nicht mal ihre eigenen waren.
Vor Erdbollen und Abstürzen retten aber konnte sie mich jederzeit, darauf konnte ich mich verlassen. Immer.
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Danach hatte ich mich natürlich mit Feuereifer darauf gestürzt, die da unten abzuwerfen anstatt zu tagträumen — schließlich hatte ich eine Kampfschwester zu rächen, für die unverdienten Treffer, die sie ohne mich nie abbekommen hätte. Das wollte wettgemacht werden.
Natürlich nicht auf Feréll. Der war ja quasi noch ein Baby — und viel zu zerbrechlich. Mein Brüderlein war mehr sowas wie... das Maskottchen. Dabei sein, ja. Was abkriegen? Beim Nebel, natürlich nicht.
Und auf den Kletterturm durfte er natürlich auch noch nicht mit. Haltet Ihr mich etwa für verrückt?
Natürlich nicht. Er war viel zu klein. Da hätte ja sonstwas passieren können!
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Auch wenn der Wachturm zumindest in meiner Zeit glücklicherweise nie eingekracht ist. Gelegenheiten hätte es jedenfalls reichlich gegeben, zu denen er diverse Kinder hätte unter sich begraben können...
Erst recht dazu, dass man hätte böse abstürzen oder einbrechen können; beliebteste all unserer Kletterstellen, die er war.
Aus heutiger Sicht gesehen war der Wachturm auch schon etwas, von dem wir eigentlich die Finger hätten lassen sollen. Ehrlich gesagt, wundere ich mich ein bisschen, dass uns niemand davon abgehalten hat. Irgendwie hatten wir wohl damals schon ein gewisses “out of sight, out of mind” an uns. Oder die Erwachsenen waren einfach zu beschäftigt — oder... sie begriffen die Gefahr selbst nicht; weil sie sich nicht wirklich mit der Statik von Gebäuden auskannten. Schließlich hatten sie mal selbst dort gespielt... und wundersamerweise war dort tatsächlich noch nie jemandem Schlimmeres passiert als sich bei einem leichteren Sturz mal einen Knöchel zu verdrehen oder Ähnliches.
Jedenfalls nicht “seit Menschengedenken”, wie es Uhland gesagt hätte. Soll heißen, soweit wir es noch aus Erzählungen der Alten wussten. Die, wie gesagt, ebenfalls dort gespielt haben. Also... naja. Vielleicht nicht gar so verwunderlich, dass dort keiner meckerte.
Hier beim Turm hingegen? Da waren wir komplett außer Sicht. Eigentlich hätte jemand bei uns sein sollen. Aber angeblich waren wir ja beim Klettern und dann am Waldrand zum Zeug sammeln und damit Stockhäuschen bauen... Am schwarzen Turm war nämlich mal Ernst, einer der älteren Fischerssöhne, eines schönen Tages abgestürzt.
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Mein Blick schweifte bei dem Gedanken prompt von meinem eigentlichen Vorhaben weg nach oben.
Nachdem er es ziemlich weit hoch geschafft haben muss, dafür wie glatt der Turm war. Wie hatte er das nur geschafft? Meine Finger krallten sich neugierig in die feinen Rillen zwischen oder auch auf den riesigen Steinquadern. Die feinsten, die ich bisher je irgendwo gesehen hatte. Selbst dieser ominöse ‚Zahn der Zeit‘ schien dem Turm nicht viel anhaben zu können.
Die glatten Steine waren nun eben auch Ernstens Unheil gewesen: Er fiel offenbar ziemlich bösartig. So schlimm, dass sein Arm verdreht unter ihm zu liegen kam und dadurch hinterher mehrfach gebrochen, an einer Stelle wohl regelrecht gesplittert war. So schlimm, dass ihn nicht einmal mehr Dankrun, unsere Dorfheilerin, zusammenflicken konnte. Ich hatte den Arm vorhin gesehen, als wir beim Händler reingelinst hatten, wo der Größere jetzt mit einer Kladde rumlief… gruselig! Mir war glatt ein kalter Schauer den Rücken runtergelaufen und etwas komisch im Magen geworden…
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„Mhh… Im Nachhinein betrachtet muss man vielleicht sagen, nicht wollte... oder nicht konnte, wenn sie weiterhin unter den Leuten unauffällig bleiben wollte – aber das… ist eine andere Geschichte. Alles zu seiner Zeit.“
Ernst jedenfalls machte danach seinem Namen alle Ehre, die er ihm zuvor verweigert hatte, und konnte seiner Familie beim Fischen nicht mehr helfen. Musste sich eine andere Beschäftigung suchen, weil sein Arm nicht mehr so heilte, wie er sollte. Womöglich war der Name, der in Nebelfurth gebräuchlich war für diesen Turm, also auch viel neuer als wir dachten – und stammte eigentlich von jenem schwarzen Tag; von jenem Unglück.
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Zu unserem Glück schaffte es nach Ernst jedenfalls keiner mehr, sich dermaßen weit hochzuhangeln.
Der Blick nach oben bestätige mich nur darin, dass ich das ganz bestimmt nicht so schnell versuchen würde. Auch wenn ich -wie wir alle- neugierig gewesen wäre, ob da oben was war. Aber dazu bräuchte man eine Riesenleiter. Nicht mal Tays Vater hatte sowas. Viel zu hoch. Ich fragte mich immer noch, wie Ernst das überhaupt geschafft haben sollte. Vielleicht hatte er auch gelogen und war woanders abgestürzt.
Aber wo? War er auf einen der hohen Bäume dahinter geklettert? Das klang deutlich glaubhafter, als dass er es den glatten Turm hochgeschafft haben sollte. Die Ritzen unter meinen Fingerspitzen waren bockelhart. Nichts mit nachgebendem Brösel und Erdreich wie am Kletterturm, wo man seine Finger drin vergraben konnte, um besseren Halt zu kriegen. Keine Chance da weit hochzukommen. Was etwaige weitere Stürze auf ein Minimum reduzierte; und, so sie doch vorkamen, deutlich glimpflicher ablaufen ließ, wie Ihr Euch wohl vorstellen könnt.
Überhaupt verlegten wir uns, wie schon gesagt, was das Klettern anging, die meiste Zeit auf die abgebrannte Ruine, nachdem wir mit den ersten Versuchen rasch gelernt hatten, dass es am Turm kein rechtes Vorankommen gab. Die war einfach deutlich leichter zu erklimmen. Und bot auch viel mehr Halte. Irgendwann ist eben jede Frustrationstoleranz aufgebraucht.
Wobei das generelle, gelegentlich wieder aufflammende Interesse am Schwarzen, das uns auch heute wieder hergetrieben hatte, erstaunlich hoch blieb. Fast als strahle der Turm irgendeinen Sirenengesang aus — dachte ich damals.
Da waren wir aber auch noch nie auf solche getroffen, die das wirklich taten…
Trotzdem. Ohne dieses Wissen schien der Turm eine merkwürdige Anziehungskraft zu haben. Eventuell eben deswegen, weil wir nur noch gelegentlich dort vorbeischauten, um mal wieder zu versuchen, ob wir nicht doch noch einen Eingang fänden?
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So war es auch Anur, der mich jetzt aus meinen Gedanken riss, weil er in der Pause vom Fangspiel -als grade mal alle zu fertig waren, noch weiter herumzurennen, nicht nur Feréll- gelangweilt neben mir zum x-ten Male an der Wand zu klopfen begann, ob er nicht irgendwo einen Hohlraum erlauschen könnte, der einen Hebel oder dergleichen signalisieren könnte.
Er glaubte immer noch, dass seine Ohren irgendwann mit den Jahren gut genug werden würden, wenn er das genug übte. Wahrscheinlich weil er daheim mal was unter einem Brett gefunden hatte. Naja, sollte er. Ich würde ihm sein Glück nicht nehmen, mit dem Hinweis darauf, dass die Älteren irgendwie eher schwerhörig geworden schienen. Womöglich war das ja auch wieder nur eine Fehlinterpretation meinerseits. Ich wusste ja eh so wenig. Aber das war’s dann leider auch mit meiner eigenen Untersuchung. Wenn der da so pochte wie ein Specht, dann hatte ich keine Chance mehr irgendwas von dem wahrzunehmen, was ich mir vorhin noch eingebildet hatte.
Also begann ich, bei ihm mitzumachen. Wer wusste es schon? Vielleicht fanden wir ja doch noch nen Hebel. Ich hätte nur zu gerne gewusst, was da drin war. Irgendwas musste da doch drin sein! Ich meine, ein Steinklotz sieht doch nicht aus wie ein echter, großer, vollständiger Turm, wenn es nur ein Steinklotz wäre! Oder?
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Wie üblich zu solchen Gelegenheiten wurde unser Entdeckereifer in der Hinsicht aber auch zu dieser Wintersonnenwende mal wieder enttäuscht.
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Dafür fanden die anderen derweil im nahen Gebüsch eine Wühlmausfamilie.
Die bald darauf -sicher zu ihrem Leidwesen- die Aufmerksamkeit unserer ganzen Truppe hatten.
Kleine Kinder können ziemlich einfallsreich in der Aufgabenstellung und beim Parcoursbau sein, wenn sie so ein Tierchen erst einmal erhaschen und ihnen ein ganzes Feld samt angrenzendem Waldrand als Materialsammlung zur Verfügung steht – aber das muss ich Euch wohl nicht sagen...
Ob die Tierchen das wiederum so zu würdigen wussten, die wir erhaschten... Nun, ich vermute mal, eher nicht.
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Die größte der Wühlmäuse, die wir schließlich mitnahmen, schien jedenfalls eine Weile später ziemlich sauer, als wir sie bei Tante Caeda im Wohnraum platzierten...
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
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