Kapitel 1: Geschichten im Nebel (Pt.4)
... nachdem erst einmal festgestellt worden war, dass der Geschichtenerzähler des Dorfes viel gruseliger sein konnte als ein wenig morsches Holz im Tageslicht oder selbst in der Dämmerung.
Uhland hieß der jetzige, zur Zeit in der unsere Geschichte beginnt – und wenn er mal wieder einige Humpen Bier zum Befeuchten der Kehle oder gar noch das ein oder andere Schnäpschen intus hatte, dann wurden seine Geschichten wahrlich zum Fürchten. Nicht mehr nur sein gelegentlich hochkochendes Temperament oder seine grummelige Miene und das ein oder andere böse Wort, mit dem er mitunter auch uns Kinder abschreckte, wenn wir ihn zu Zeiten um Geschichten angingen und nervten da er gerade partout keine Lust hatte etwas zu erzählen.
Ein, zwei Humpen Bier ließen seine Laune jedoch meist schnell heller werden und änderten seine Einstellung zum Erzählen – und er war wirklich gut darin, wenn er sich dazu herabließ.
Nur, wenn er an den Punkt kam, dass es dann schon wieder zu viel des Guten wurde? Dann wurde er entweder miesepetrig und verschlossen oder traurig – und wollte ebenso wenig noch etwas erzählen. Oder aber seine Geschichten waren nicht mehr wirklich altersangepasst...
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Von den bösen Zwergen im Gebirge erzählte er dann, die Menschen auseinander hackten, eins, zwei, Streich und vorbei, als seien sie Holzklötze. Von geifernden, böse grollenden Wölfen, die einen zerfleischen wollten; schneller als jedes Pferd und so groß dass sie ihm fast zur Brust reichten, wie er lebhaft mit seiner Handfläche anzeigte – und er war zwar nicht der Allergrößte, aber so klein auch wieder nicht.
Von sonderbaren Riesenbären mit Stacheln und rotglühenden Augen, deren Pranken einen, eins, zwei, auseinanderreißen könnten – und er rollte dabei mit den Augen, die im abendlichen Schummerlicht der Taverne oder seines Hauses böse funkelten. Formte die Hände zu Klauen und begleitete solche Erzählungen noch herausragender mit passender Gestik und Mimik als seine normalen Vorträge. Sprang gar abrupt auf einen seiner kleinen Zuhörer zu, als wolle er ihn packen – manchmal packte er auch wirklich einen und wirbelte ihn herum. Und das ziemlich unbekümmert, ob er womöglich so grob zupackte, dass man hinterher blaue Flecken hatte.
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Nicht dass sich je einer wirklich um blaue Flecken geschert hätte nach solch einer Geschichte. Kurzum: Er jagte uns Kleinen einen Heidenschreck ein, sodass wir die kommende Nacht über, und meistens noch mehrere Nächte nach solchen Vorfällen, auch garantiert Alpträume hatten.
Es war also ein kleines bisschen diffizil und ein Spiel steten Nervenkitzels unter uns Kindern – eines, bei dem oft genug gelost wurde, wer heute derjenige sein würde, der anklopfen und ihn aus seiner Hütte locken musste – unseren guten Uhland in die richtige Stimmung für die besonders schönen Geschichten zu versetzen.
Nichtsdestotrotz war es ein beliebter Sport, der von uns immer wieder betrieben und nie wirklich aufgegeben wurde. Auch wenn man gelegentlich ein paar Wochen damit aussetzte, wenn er mal wieder eine besonders gruselige Geschichte erzählt hatte…
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Es war zur Wintersonnenwende, dass er uns die schon erwähnte Geschichte mit dem gruseligen Bären aufgetischt und damit dafür gesorgt hat, dass wir wohl alle in dieser Nacht nicht geschlafen haben.
Eigentlich hatte alles so schön angefangen…
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Na, verbibsch. Da will man grad ansetzen und dann sowas. Da ist ja immer noch ein Piepmatz, der noch gähnt statt weggetragen zu sein. Nun gut. Dann lass uns noch was zum Fest erklären, aber dann sollte sich das vollends erledigt haben…
Ihr müsst wissen, dass die Nebelfurther zur Wintersonnenwende ein traditionelles Fest begingen, das das Jahreshoch aller Kinder war – und sicher auch noch das der meisten Jugendlichen und einiger Erwachsener.
Die Nebelfurther nannten es das Lichterfest.
An diesem einen Tag im Jahr ruhte jegliche Arbeit, bei allen im Dorf. Ich glaube das war so ziemlich der einzige Tag, an dem das so war.
Ob zu Trauerfällen, Hochzeiten, Markttagen, dem Besuch eines Gauklers, der Heirat des Kaisers oder selbst zu Kriegszeiten – die Arbeit ruht nicht. Jedenfalls nicht bei allen auf einmal und sicher nicht den ganzen Tag. Natürlich gibt es stundenweise Auszeiten, die auch das ganze Dorf teilt; etwa bei den schon erwähnten Feiern oder beim stillen Abschied von Verstorbenen. Aber das sind eben nur wenige Stunden; in den übrigen Stunden des Tages aber wird gewerkelt und geschafft wie immer – oft genug ja auch gerade wegen der anstehenden Feierlichkeiten. Schließlich erledigt sich nichts von alleine und die Fische springen einem auch nicht von selber ins Maul, wie man so schön sagt.
„Wobei sich über Letzteres an manchen Orten wohl streiten ließe; auch wenn man es wohl schon mindestens als kleines Schummeln ansehen muss, wenn... ah, ich greife vor. Dazu kommen wir später. Viel später. Wahrscheinlich erst bei späteren Treffen, nicht mehr heute. Erinnert mich dran, falls ich es vergesse, und Ihr es wissen wollt, ja? Zurück zu unserem Dörfchen…“
In Nebelfurth jedenfalls springen die Fische üblicherweise nicht von selber aus dem See.
Und unüblicherweise eigentlich auch nicht.
Also muss man sich drehen, wenn’s was werden soll; das Leben geht schließlich weiter, ob nun Festtag ist oder sich die Leute draußen die Köpfe einschlagen. Ja, selbst wenn die Welt unterginge – würde man sich dann wirklich irgendwo nichtstuend hinsetzen und die letzten Tage damit zubringen wollen, dass man drauf wettet, ob man es noch vorher schafft Hungers zu sterben? Von nichts kommt nichts, das ist so die typische Haltung, die man sich immer wieder vor Augen halten muss, wenn man es mit einem Nebelfurther zu tun hat.
Ach; wem gebe ich hier Ratschläge... nicht, dass es einer von Euch wohl je mit einem Nebelfurther zu tun bekommen wird.
Wobei, wer weiß, man soll ja niemals nie sagen – und manche von ihnen hatten ja schon eine Tendenz an Orten zu landen wo man jemanden aus Nebelfurth eigentlich nie erwarten würde...
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Aber ich schweife ab.
Nun, an diesem Tag jedenfalls ruhten, wie jedes Jahr zu dieser Zeit, sämtliche Arbeiten – und zwar von Sonnenaufgang dieses Tages bis zum nächsten Morgen. Also eigentlich vom letzten Schlafengehen bis... Ihr versteht schon, was ich meine, oder?
Für uns Kinder jedenfalls war es ein Riesenspaß. Ein ganzer Tag. Nur für uns. Nur tun, was immer wir wollten!
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Naja gut – vielleicht nicht ganz alles, was wir so wollten.
Wenn wir Vatern am Bart gezogen oder Mutter Juckpulver in die Röcke getan, irgendwas kaputt gemacht hätten im Übermut oder dergleichen ‘Späße’ mehr – dann hätte es sicher, wie sonst auch immer, was gesetzt, keine Frage. Und einen Eingang in den schwarzen Turm haben wir natürlich immer noch nicht gefunden und irgendwelche besonderen Kräfte hatten wir deswegen auch nicht, dass wir plötzlich hätten hopps, einfach mal so eben hinaufspringen können oder dergleichen Juxvorstellungen – ganz davon abgesehen, dass er nach wie vor tabu war, aber wir sind natürlich trotzdem hin…
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Uuuund… na bitte. Das letzte winzige Mäuschen schläft selig.
Ein verschwörerischer Finger an die Lippen an die etwas älteren Kleinen. Jetzt ja nicht aufwecken. Papa trägt es ja schon weg, im sachten Wiegeschritt. Ein Luftanhalten bis er um die Ecke ist… und: Na dann… können wir mal loslegen.
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Da standen wir nun und bestaunten mal wieder den Klotz, der wie aus einem Guss wirkte, und so gar nicht in die Landschaft passte. …
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
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