Kapitel 1: Geschichten im Nebel (Pt.3)
Fischersarbeit: ‚Was muss, das muss‘, wie es so schön heißt.
Für die Fischer hingegen hieß das eben eher, dass die Tage und Jahreszeiten im Nebel des Alltags vergingen. Also Reusen, Netze, Angelrute. Flicken und ausbessern, was es nötig hatte. Das eigene Mahl wollte natürlich auch erst einmal zubereitet sein; die Kate musste gesäubert werden und verlangte auch selbst hier und da immer mal wieder nach Ausbesserungsarbeiten. Ebenso die mehr oder weniger spärliche Einrichtung. Und wenn hernach noch Zeit blieb, wurde an der neuen Ausrüstung weitergearbeitet; für den Fall dass die alte irgendwann nicht mehr instandzuhalten war, sondern entsorgt werden musste – und das war schon oft genug der Fall. Und wenn dann immer noch Zeit blieb, dann fanden sich genug Klein- und Kleinstarbeiten, die man schon Ewigkeiten vor sich hergeschoben hatte – etwa endlich einen neuen Korb zu flechten, der schon seit Monaten immer brüchiger wurde. Auch sowas wurde irgendwann nötig; sonst müsste man vom sauer Ersparten, das eigentlich für Anderes gedacht gewesen wäre, von anderswo etwas kaufen, weil das Alte aus dem Leim ging. Wer will das schon. An Arbeit mangelte es im Fischersleben nun wahrlich nicht – und der Großteil der Einwohner verdiente seinen Lebensunterhalt mit diesem Berufszweig. Wer hätte es gedacht.
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„War wirklich schwer zu erraten, oder?“ Diesmal geht das Zwinkern an die etwas größeren Kids, die tapfer dageblieben sind. Ja, ich weiß, Ihr bräuchtet das nicht so ausführlich.
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Wanderungen am See waren also zumeist den gelegentlich zu Besuch kommenden Fremden vorbehalten, die den alten Geschichten nachhingen und -gingen. Oder den Träumern unter uns Kindern, wenn wir gelegentlich eine Stunde fanden, uns davonzustehlen. Wonach wir oft genug gescholten und gemaßregelt wurden. Zumindest, wenn die Familie nicht gerade zu jenen zählte, die gerade mehr starke Arme zum Arbeiten zur Verfügung hatte als hungrige Mäuler zu stopfen. Selbst Letztere hatten meist wenig Sinn für Müßiggang, da sich ein so günstiges Verhältnis doch schnell umkehren konnte und es altes, gutes Herkommen aus Erfahrung war, dass man in den guten Jahren für die schlechten vorsorgte.
Das soll nicht heißen, dass wir Kinder überhaupt keinen Ausgang gehabt hätten. Die Nebelfurther waren schließlich keine Unmenschen. Aber selbst wenn man an einem Tag einmal gar mehrere Stunden am Stück frei hatte, so kamen doch schlicht die kleinen Füße nicht ewig weit.
Die Erwachsenen hingegen hatten – abgesehen von dem ein oder anderen Pfeifen- oder Bierstündchen zum Ausruhen, wenn man Zeit für Müßiggang fand – keinen Sinn für ertraglose Spinnereien. Was sollte man auch am anderen Ende des Sees schon finden, was man hier nicht fand? Die Fische bissen gut genug, wo man war. Und wer nicht Fischer war, sondern das Dorf mit anderem Notwendigem versorgte -wie etwa der Schreiner mit seinen Lehrlingen oder die Weberei- hatte ebenso mit dem Seinen genug zu tun. Hier gab es alles, was man sonst noch brauchte – dort drüben wo man von keiner befestigten Anlage wusste wohl kaum; wozu also ins Ungewisse schweifen?
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Weitaus beliebter war ihnen da das süffige Bier, das die Wirtin im Gasthaus braute. Oder das stärkere Dunkle, das vom Schmied kam. Letzteres zog er eigentlich hauptsächlich zum Eigenbedarf in müßigen Stunden heran; in seinem Keller eingelagert — einem der wenigen überhaupt vorhandenen im Dorf. Hackbräu wurde es genannt, von denen, die trotzdem in seinen Genuss kamen; in Anlehnung an die Holzwerker deren Stärkste es immer noch aus den Latschen zu kippen vermochte. Übrigens noch so eine Institution, auf die die Nebelfurther stolz waren, die Schmiede. Wenn das Dorf noch ein wenig an Einwohnerzahl zulegte, dann mochte es sich bald ein richtiges kleines Städtchen nennen.
Das Hackbräu jedenfalls, von dem Jannais Vater manchmal ein klein wenig aus seinem Vorrat herauszurücken bereit war, sowie die Genüsse bei Wirtin Lairina, diese viel banaleren Wohltaten waren für die älteren Nebelfurther sehr viel verlockendere Ziele für ihre vom Arbeiten trockenen Kehlen und müden Glieder, als dass ein eventuell noch ruheloser Geist dagegen groß ankam.
Sicher war fast jeder von ihnen als Jugendlicher oder junger Erwachsener irgendwann einmal im Tatendrang aufgebrochen, um unbekannte Gegenden zu erforschen, wie wir es später auch tun sollten – aber die meisten zog es dann eher in andere Richtungen. Etwa einmal in die Städte oder gar ins Nachbarland, wenn einer besonders mutig und reisefreudig war. Wenn man erst einmal in dem Alter war, war der See schon ein so gewohntes Bild geworden, dass man nicht mehr groß darüber grübelte, was hinter dem Nebel liegen mochte. Dasselbe wie hier in Grün, so gaben es auch achselzuckend jene bekannt, die sich doch einmal für ein paar Tage in eine Richtung gewendet und auch nirgendwo anders angekommen waren – was den Großteil der nächsten Generation von ähnlichen Plänen schon wieder endgültig abbrachte. Ein paar verfallene Anlegestellen gab es im näheren Umkreis, die darauf schließen ließen, dass Nebelfurth irgendwann einmal etwas größer gewesen sein mochte – oder dass es den ein oder anderen Einsiedler gegeben hatte, der sich ferner vom Dorf hielt und es dann wieder aufgegeben hatte. Oder vielleicht auch dort gestorben sein mochte...
Und das war’s.
Letztere Vorstellung, von möglichen ruhelosen Geistern, machte die nächstgelegenen dieser Stellen immer mal wieder zu einem beliebten Anziehungspunkt für Kinder in dem Alter, in dem man sich gern ein wenig gruselte oder den eigenen Mut beweisen wollte.
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„Ich wette, Ihr habt auch solche Stellen, oder? Und, habt Ihr schonmal einen Geist gefunden?
Spoiler alert: Dort zumindest sollten wir nie einen finden. Wurde also irgendwann langweilig.“
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Für alle anderen waren die besser instandgehaltenen Stege des Dorfes ein deutlich besserer Tummelplatz zum Schwimmen und ins Wasser springen. Einer, an dem man sich nicht so schnell einen Spreißel im Zeh oder Finger holte. Was so ziemlich das Einzige war, was die Mutigen von den kleinen Gruselplätzchen mitnahmen, wenn man mal von dummen Geschichten absieht.
Und so blieben die wieder aufgegebenen Stellen nach den Erstversuchen jeder Generation weitgehend wieder ungestört und verwitterten weiter vor sich, nachdem erst einmal festgestellt worden war, dass der Geschichtenerzähler des Dorfes viel gruseliger sein konnte als ein wenig morsches Holz im Tageslicht oder selbst in der Dämmerung.
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Ahja. Da werden die ersten Kleinsten schlafend im Arm ins Bettchen getragen. Hervorragend. Wir nähern uns dem Auftakt.
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
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