Kapitel 15: Liliana – Wiederholung ist gut für die Seele
Von schikanösen Lehrmeistern und unmöglichen Aufgaben
Ein Autorenwort vorab:
Ich bitte um Verzeihung für die stark verzögerte Veröffentlichung des aktuellen Kapitels. Leider musste ich mich in einen ausufernden Behördenkrieg um meine Existenz stürzen, die ganze BERGE von Unterlagen von mir wollten. = Hatte schlicht keine Energie mehr, mich währenddessen noch um kreative Projekte zu kümmern.
Mea culpa. Wird hoffentlich bald wieder besser.
Liebe Grüße und seht’s mir nach,
Euer “Rabe” ;)
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„Nochmal.“
Ich rappelte mich wieder auf, klopfte mir Moos, Laub, Stöckchen und Dreck von den Klamotten und versuchte meinen inzwischen ordentlich zersplitterten Gleichmut zusammenzusammeln, ehe ich erneut auf den umgestürzten Stamm in seinem Beet aus Moos und diesen hübschen breitblätterigen Pflänzchen auf der Winzlichtung zwischen all den anderen hohen, noch lebenden Bäumen kletterte. Stolz? Hah. Der war schon lange dahin. Der Stamm war breiter als ich — und ich schaffte es trotzdem herunterzufallen. Der Jäger machte es mir aber auch nicht gerade einfach.
Verstohlen die samtenen Pflanzen zu streicheln, die so eine Art Flaum auf ihren dicken Blättern hatten, half irgendwie, damit klarzukommen, dass ich schon wieder dabei war, mich lächerlich zu machen. Zumindest mich kurzzeitig davon abzulenken. Vielleicht sogar noch mehr als der Trick, den Sintram mir beigebracht hatte, der angeblich meinem Gleichgewicht helfen sollte: Bewusst durch die Füße spüren, was ich mit ihnen ertasten konnte. ‚Sich erden‘ nannte er das.
Zugegeben, er half tatsächlich ein bisschen, was das Balance-Halten auf dem Stamm anging, aber…
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Kaum dass ich oben war, hätte mich beinahe schon wieder ein winziges Stück Stöckchen getroffen. Die abrupte Ausweichbewegung brachte mit prompt erneut ins Schwanken. Sappralott nochmal.
... nicht mit der neuesten Gemeinheit, die er sich jetzt wieder ausgedacht hatte.
Was dachte der eigentlich, was ich war? Ein Zirkushund wie das Prinzchen? Sollte ich jetzt Stöckchen apportieren, oder was? Ich wünschte, er könnte sich wenigstens mal entscheiden, was er will, grummelte ich still in meinen nicht-vorhandenen Bart. Paradoxe Anweisungen waren zum Speikübeln.
Konzentrier dich auf den Stamm.
Aber lass dich ja nicht treffen.
Hatte der noch alle Reusen im Wasser?
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Womöglich trug ich auch äußerlich ein finsteres Gesicht, denn die Retourkutsche kam prompt.
Ich stolperte plötzlich über einen großen Ast, der da vorhin noch nicht gewesen war.
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Quer oben über dem Stamm drüber. Nicht aus dessen Rumpf ragend.
Drüber gehalten.
„Augen auf bei der Arbeit, Kind.“
Von ihm natürlich.
Vermaledeiter Hundsfott. Willst du jetzt, dass ich mich aufs Fühlen konzentriere oder aufs Sehen, du Arsch?
Möge deine Frau dich verlassen, deine Kinder dich hassen und dein verdammtes Haus abbrenn– oh. Fuck. Ich wohnte jetzt ja ebenfalls in diesem ‚Haus‘.
Argh.
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Meine Wut war auch nicht gerade hilfreich, denn vor lauter innerlichem Kochen verpasste ich den neuesten Anschlag und mir knallte prompt ein Stöckchen vor die Brust. Naja… eher: prallte erfolglos an mir ab.
„Au.“ entwischte es mir dezidiert trocken in einem viel zu lapidaren Tonfall. Fuck.
Das hätte ich nicht sag–
Auf der anderen Seite begrüßte mich prompt eine hochgezogene Augenbraue.
„Hat dir das jetzt ernsthaft wehgetan?“
Er musterte mich mit sachte schiefgelegtem Kopf, offenkundig irritiert. Wenn nicht sogar noch etwas anderes.
Ich hätte es ja beinahe Sorge genannt, aber… das konnte nicht stimmen.
Ich schüttelte stumm den Kopf, nach Worten kramend.
„Nein“, brummelte ich schließlich wahrheitsgemäß zurück. „Es war einfach nur…“
Verdammt. Mir fehlte das Wort.
‘Ein Ausdruck der Überraschung’ war, was ich suchte. Vielleicht auch der Überforderung. Aber ich konnte es mal wieder nicht benennen. Eigentlich war ich eher ärgerlich, dass ich mich schon wieder hatte erwischen lassen.
Wenigstens bin ich diesmal nicht runtergefallen.
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Aber:
„Nochmal zurück auf Anfang“, lautete seine Diagnose. Na toll.
Ich tapste genervt die paar Schritte zum Anfang des Stammes zurück, die ich geschafft hatte, ehe mich das erste Ding getroffen hatte, dem ich eigentlich hätte ausweichen sollen. Wenn etwas weh tat, dann war es das, was mal mein Stolz gewesen war. Also eher die brennende Schande, die ich gerade noch und nöcher auf mich lud.
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Und kam prompt erneut ins Schwanken, als plötzlich etwas von der Seite gezischt kam.
„Was zum — sag mal, hast du sie noch…?!“
Der Rest ging darin unter, dass ich erneut die Seite des Stammes zur Seite purzelte, trotz der seitlich ausgestreckt wild rudernden Arme.
Wahrscheinlich weil ich den einen zu hastig zurückzog und damit Übergewicht auf die falsche Seite bekam als ich dabei plötzlich ihn streifte. Fuck. Ich konnte mich ja wohl kaum an ihm festhalten, oder? Ich wusste nicht mal, ob ich Gürtel oder Brusttasche erwischt hätte… Wie peinlich wäre das bitte erst gewesen?
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Mit etwas Verzögerung setzte die eigentliche Erkenntnis ein.
Da lag ich schon erneut im weichen Moosbett unten. Naja, saß. Aktuell war es eher ein abruptes auf dem Hosenboden zu sitzen kommen.
Hatte der Arsch mich gerade geschubst?!
Wie in aller Welt kommt er dazu mir–
Ein Blick auf sein Kopfschütteln brachte meinen brodelnden Kopf hastig zum Verstummen.
„Lili. Hat irgendjemand gesagt, dass rückzus kein Aufpassen mehr angesagt ist?“
„Aber du sagtest neu starten!“ protestierte der Teil von mir, der einfach nicht die Klappe halten konnte.
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Natürlich ehe meine Hände die Worte zurückhalten konnten, indem sie meinen Mund verschlossen hätten. Warum war ich ausgerechnet mit sowas immer schnell mit dem Reden? Alles andere kam doch auch nicht oder erst viel zu spät raus…
Der Blick, der mich traf, hätte Feuer versengen können.
Ich wendete mich hastig ab.
Vor lauter Frust hätte ich beinahe die tollen kleinen Pflänzchen gepackt und ausgerissen, die doch völlig unschuldig an alledem waren. Ich wusste einfach nicht wohin damit. Ich konnte ja wohl kaum auf ihn zurennen und ihm die kleinen Fäuste auf die Brust trommeln, oder? Ich würde ja nicht mal hinkommen… Und ihm auf die Oberschenkel zu trommeln… wie hätte das denn ausgesehen?
Ugh. Oberpeinlich. Meine Augen krampften zum wiederholten Male. Stark genug, dass ich beinahe Kopfweh davon bekam.
Krieg dich endlich in den Griff, Lili! Was kann daran schon so schwer sein?!
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„Was nicht dasselbe ist, oder?“
Er war lautlos neben mir in die Hocke gegangen und ich konnte fühlen, dass er mich schon wieder so komisch ansah. Als wollte er mir von oben bis unten die Haut ausziehen, um innenrein zu gucken. Urgh. Das Bild war fast schon so gruselig, wie sie alle immer von ihm behauptet hatten.
Außerdem brannten meine Backen, weil da schon wieder dieses merkwürdig flüchtige Gefühl von Wärme an meinem Kopf war. Und überhaupt in meiner Nähe. Viel zu nah. Geh weg. Fass mich nicht an. Was hatten seine Finger an meiner Schläfe zu suchen? Eben. Nichts. Und an meiner Wange — um irgendwelche imaginären Tränchen wegzuwischen, die dort gar nicht sein konnten, weil ich dieses beschissene Gefühl von zuviel Wasser in meinem ganzen Körper nämlich krampfhaft innendrin hielt — ganz bestimmt erst recht nicht. Der wollte mich doch nicht mal da haben. Warum machte er mir sonst alles schwerer als nötig?
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Dabei hatte es so schön angefangen…
Als er mir den ‚Par-Kuhr‘, wie er die ganzen Aufbauten nannte, zum ersten Mal gezeigt und mir dann gesagt hatte, dass ich mich da drin austoben konnte, soviel ich wollte, hatte ich gedacht, er würde mich verarschen. Ein Riesenspielplatz, nur für mich? Das konnte nicht echt sein.
Aber nach erstem Misstrauen und vorsichtigem Durchtasten, ob er da drin vielleicht irgendwelche Mausefallen oder vielleicht eher kaputte Balken versteckt hatte, die selbst unter meinem Fliegengewicht sofort zusammenbrechen würden und absolut nichts dergleichen passiert war — noch nicht einmal Schelte von ihm weil ich so lange gebraucht hatte! und auch nicht, weil ich so viel Zeit da drin verbrachte, als ich schließlich übermütig geworden war — hatte ich mich mit Feuereifer darin ausgetobt. Genau wie er behauptet hatte, dass ich durfte.
Ich hätte auf meinen ersten Gedanken hören sollen…
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Denn jetzt, einige Wochen später – oder waren es doch eher Monate? Na, jedenfalls hatte er plötzlich dieses ‚Spiel‘ vorgeschlagen. Oder besser gesagt, einfach eingeführt; nix mit Diskussion. Angeblich sollte es meine Reflexe trainieren.
Bisher hatte ich eher den Verdacht, es war ganz wie früher, wenn Ferrick und ein paar der anderen mal wieder was ausgeheckt hatten, wie man mich blödes Ding in Sicherheit wiegen konnte, um sich dann am Ende eben doch nur einen ‚Spaß‘ zu erlauben.
Und ich blöde Kuh hatte es noch für eine echte, ehrliche Einladung gehalten.
Stattdessen ist es doch wieder nur ein Test, oder?
Ich mochte dieses spezifische Spiel ziemlich schnell nicht mehr.
Denn ich war scheußlich schlecht darin. Über die ganzen Sachen zu hopsen, darauf zu balancieren, drüberzurennen, herumzuhüpfen und hochzuklettern hatte wahnsinnig Spaß gemacht. Aber das hier?
Ich war so ein verdammter Vollversager.
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„Lili.“
Die sanfte Stimme riss mich erneut zurück ins Hier und Jetzt. Das und die kaum spürbare Berührung an meinem Ohr, als er mir wohl eine entwichene Haarlocke dahintersteckte.
„Mach dich doch nicht so fertig wegen etwas, das völlig normal ist. Jeder macht bei etwas Neuem erstmal Fehler. Das ist wie man lernt.“
Mach dich nicht fertig?
Der hat ja mal gut reden, dieser miese Vollidiot, brandete plötzlich die Wut in mir wieder hoch und ersetzte einen Moment lang meine Niedergeschlagenheit. Du bist wer mich grad fertig macht, nicht umgekehrt! Wenigstens diesmal wusste ich es besser als das auszusprechen. Das hätte nur eine Tracht Prügel gegeben; kannte ich zur Genüge von dah… von früher. Nein danke.
„Denkst du etwa, mir wäre es damals anders gegangen?“
Jetzt hätte ich ihm doch beinahe mitten ins Gesicht gestarrt.
Stattdessen zerknüllte ich, ohne es zu wollen, ein Büschel Gras in meinem Griff und zerriss auch noch einzelne Halme. Wie der letzte Idiot auf Erden. Nicht mal meine Finger hatte ich im Griff.
Ha. Ha. Natürlich war diesem perfekten Arsch von Mensch sowas niemals passiert. Wie auch? Der Kerl konnte einfach alles abnormal gut.
Bis auf Reden, korrigierte das fiese Stimmchen in meinem Hinterkopf; ausnahmsweise mal nicht auf mich gerichtet.
Trösten meinst du wohl… korrigierte etwas Anderes prompt zurück.
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Ich hatte zwar das Gefühl, dass ich ein paar seiner Worte verpasste, weil die Stimmen in meinem Kopf mal wieder lauter waren. Hoffentlich nichts Wichtiges…
Was ich allerdings nicht verpasste, war der Eindruck, dass er, verdammt nochmal, bei alledem schmunzelte.
Verfluchter Mistkerl.
„Na komm. Hoch mit dir.“
Ich hasste, wie sehr ich die wohltuende Wärme auf meinem Rücken behalten wollte, als er mir dann auch noch sanft die Stelle zwischen den Schulterblättern einen kurzen Moment lang rieb, um mich dann mit derselben Bewegung auf die Beine zu schubsen.
„Du schaffst das schon noch. Was du brauchst, ist ein bisschen Übung. Gib dir Zeit.“
Was ich brauche ist weit mehr als ein bisschen Übung, du…
Ich biss mir im wörtlichen Sinne auf die Zunge. Absichtlich natürlich.
Da versuchte er schonmal nett zu sein und ich Depp hätte ihn beinahe deswegen angeblafft. Was war ich nur für ein abscheuliches Ding? Mutter hatte völlig Recht…
„Also. Nochmal von vorne.“
Noch dazu, da er mich nicht mal strafte, wenn sowas passierte. Nicht so richtig.
Das war die ganze Strafe: Nochmal.
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Nochmal.
Nochmal.
Nochmal.
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Und nochmal.
So lange, bis ich entweder konnte, was er wollte — oder der Tag zu Ende war.
In letzterem Fall ging es dann am nächsten Tag wieder weiter.
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Okay, manchmal auch erst dem übernächsten oder sogar nach längeren Pausen dazwischen. Wobei er die besonders gerne machte, wenn ich dachte, dass ich etwas könnte — offenbar um mir vorzuführen, dass ich prompt erneut Fehler machte, wenn ich es nur eine Weile lang gar nicht gemacht hatte. Arsch.
Sag ich doch.
That being said…
Sintrams ‚Strafen‘ waren eigentlich nie direkter, körperlicher Natur — auch wenn ich manche Übung des körperlichen Trainings eventuell mitunter als solche empfinden mochte. Während ich Laufen und Rennen, Klettern und Herumtollen schon immer geliebt hatte, hätte mir das blöde Kübel schleppen und Zeug stemmen gerne gestohlen bleiben können. Genauso wie die verdammten Stöckchen.
Die er bald anfing auch noch außerhalb des Parcours zu werfen und nicht nur währenddessen und angekündigt. Dieser Pickel am hochkaiserlichen Popöchen.
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Aber im Gegensatz zu seinem wankelmütigen Verhalten was Lob und Entlohnungen anging -oder was mir zumindest als solches erschien- waren die echten Strafen wenigstens immer sehr konsequent und eigentlich vorhersehbar, von ihrer Natur her.
Selbst die vermaledeiten Stöckchen, die mich immer genau dann erwischten, wenn ich unaufmerksam wurde.
Wenn ich es ausnahmsweise mal nicht war, konnte ich sogar darüber triumphieren, dass sie mich auch nicht trafen.
Ich fürchte, manchmal habe ich ihm sogar die Zunge herausgestreckt, dumm wie ich war… Die Strafe folgte meist auf dem Fuße, weil sowas hieß, dass ich… na? Eben. Erneut unaufmerksam war.
Teilweise nicht mal, weil er irgendwas gemacht hätte.
Außer er hätte das blöde Werfen derart gut berechnet, dass er wusste, wo jede Wurzel und kleinste Bodenerhebung in diesem riesigen Wald war. Was… dann glaube ich doch etwas übertrieben wäre, anzunehmen.
Ich war wohl eher schlicht selbst schuld, wenn ich durch so ein Umdrehen plötzlich rückwärts weiter laufend prompt über was anderes stolperte…
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Manchmal frage ich mich, ob man überhaupt von wirklichen ‘Strafen’ sprechen kann; denn es war meistens so, dass man die Strafe nur im Sinne einer Unterlassung expliziterer Anweisung auf ihn zurückführen konnte, so wie jetzt gerade — ich strafte mich sozusagen eher selbst, wenn ich etwas falsch oder gar nicht machte, was er von mir wollte.
Ich meine, wenn er mir vorher noch erklärt hatte, dass ich dieses lassen oder jenes tun sollte — und ich mich nicht daran hielt und was ich versuchte dann absehbar schiefging… kann man es ihm wirklich vorwerfen, dass er das Schiefgehen nicht immer aufhielt? Solange dieses Schiefgehen nicht irgendetwas war, dass mir deutlich mehr als nur moralischen Schaden zufügte?
Von einem rutschigen Baumstamm in weiches Moos zu purzeln ist jetzt nicht gerade… besonders schlimm, rein körperlich besehen.
Und meistens passierte es mir nicht wegen einem Ast, der plötzlich zwischen meine Füße gehalten wurde, sondern aufgrund reiner Unaufmerksamkeit und Übermuts...
Ich fürchte, wie peinlich mir das war, zählt nicht.
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Nicht mal dann, wenn er mir einen kleinen Schubs versetzt hatte, der das erreichte, oder mich durch ein irritierendes, aber in keinster Weise verletzendes Wurfgeschoss aus meiner Tagträumerei warf und ich dann mein Gleichgewicht verlor -das ich hätte halten können, wenn ich nur bei der Sache gewesen wäre; wie andere Gelegenheiten ja schon bewiesen hatten- und das, nachdem er im Voraus schon zig Mal gesagt hatte, ich solle besser aufpassen.
Nein, ich kann ihm wirklich nicht übelnehmen, dass er mich nicht jedes Mal mit Rufen aus meinen Gedanken riss — die unweigerlich wieder abschweiften, sobald ich dachte, etwas gut genug zu können. Ob es jetzt war, auf einem Baumstamm herumzulaufen oder etwas Anderes.
Noch dazu, da mich selbst solche Rufe schonmal so erschreckt hatten, dass ich ebenfalls purzelnd den Abgang machte...
Nein, das… war wohl schlichtweg nur ich.
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Meist war es auch eher mein schlechtes Gewissen, das mich strafte.
Und vielleicht mehr noch die fehlende, eindeutig positive Aufmerksamkeit seinerseits, die ich sonst zumindest gelegentlich erhielt. Vor allem, wenn ich irgendetwas Neues zum ersten Mal hinbekam.
Für mein Verlangen danach etwas zu wenig für Dinge, die… naja. Nicht mehr neu waren. Die schien er meist als selbstverständlich zu sehen, wenn es erstmal oft genug gelungen war. Allenfalls als Anlass für Spott und diese fiesen kleinen Tadel, wenn ich es dann doch wieder falsch machte.
Vielleicht waren sie das auch.
Vielleicht war das einfach nur das Loch in mir, das mein eigentliches Problem war, nicht etwa, dass er, für meinen Geschmack, zuviel Distanz hielt.
Obwohl man natürlich auch darauf deuten könnte, dass ich einfach nur extrem schlecht darin war, positiv Gemeintes auch als solches aufzufassen…
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***
Als ich endlich nach dreimal erfolgreichem Ausweichen erneut übermütig wurde, kurz vor dem Ende des verdammten Stamms, erwischte mich prompt das vierte Stöckchen, das kurz vor Schluss hinterherkam. Es kam nicht mal aus einer anderen Richtung — ich war einfach nur zu ausholend in meinem Ausweichschwung und…
… trat ins Leere.
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Bei allen belämmerten Sirenen—!
Ehe ich im Moos landete, konnte ich mir schon denken was jetzt folgen würde. Egal wie gut ich die Rolle zum Sturzabfangen dabei schaffte.
Nochmal.
Ich ballte verborgen die Hand um ein Büschel Grad.
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„Das reicht für heute.“
Sag ich do—was?
„War doch gar nicht so schlecht für den Anfang.“
Was?!
Ich… das meinte er ironisch, oder? Für den Anfang? Mittlerweile übten wir den Mist seit mindestens einem geschlagenen Monat immer wieder.
Seither hatte ich es immer noch nicht den verdammten Stamm einmal komplett entlanggeschafft ohne herunterzufallen.
Seit er begonnen hatte, Stöckchen zu werfen, meine ich. Davor hatte ich diesen spezifischen Stamm schon mit geschlossenen Augen entlanglaufen können. Hatte sogar angefangen es rückwärts tun.
Was für ihn scheinbar das Signal gewesen war, mir jetzt im wörtlichen Sinne Stöcke zwischen die Beine zu werfen. Arsch.
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Das… hieß dann wohl ich war so schlecht, dass er gerade selbst keine Lust mehr hatte? Ugh.
War ja klar.
Lili die verdammte Lernblockade.
Kriechender als jede Schnecke im Fortschritt.
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
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