Kapitel 14: Liliana – Kraftprobe (Pt.2)
Oder: Die Merkwürdigkeiten eines Jägers
„Was meinst du, wieviel schaffst du höchstens?“
Sintram hatte eine Reihe größer werdender Steine, angefangen bei einem, der kaum größer war als ein Hühnerei, in einer Reihe von links nach rechts hinter dem Ufer aufgereiht, die mich als nächste Prüfung erwartete, nachdem er mich endlich wieder aus dem Wasser ließ. Unglaublicherweise hatte er mir sogar eine Pause erlaubt, die er nutzte, um besagte Steine zusammenzusuchen und eigenhändig aufzureihen. Ich ließ meine Augen prüfend die Reihe entlangschweifen. Was sollte die Reihe? Als ob der Abstand das Auflesen irgendwie erschweren würde. Ich zuckte mit den Schultern und begann aufzusammeln. Zuerst den da, der würde einen ganz guten Grundstein bilden, um weitere draufzubeugen. Ich versuchte ihn möglichst gut zwischen meiner linken Armbeuge und meiner linken Körperseite festzuklemmen. Dann…
Ein scharfer, deutlicher Laut von des Jägers Seite ließ meine Hand in der Luft verharren, schon als ich die Finger nur nach dem zweiten ausstreckte.
„Hm?“ Ich drehte mich fragend mit dem Stein in der Armbeuge um, die Finger immer noch unbewusst nach meinem Ziel ausgestreckt.
„Ich hab die nicht ohne Grund in Reihe hingelegt.“ Öhrm. Okay, zugegeben, das hätte ich mir vielleicht denken können. Doofe Lili.
„Ich meine, du kannst dir auch gerne einen Haufen sammeln, aber dann sortierst du sie danach auch wieder so hin, wie sie lagen.“ Oh…kay?
Ich klappte mein Bein endgültig wieder ein und zog endlich auch den Arm zurück. „Was soll ich dann…?“ Oh. Ich Dösbaddel. Mir stieg die Hitze zu den Ohren hoch. Ahem. Ich versuchte den akuten Frosch in meinem Hals wegzuräuspern. Shit. „Sorry. Sorry…“ Oooh… ich Idiot.
Ich legte den ersten Stein, den ich genommen hatte, wieder auf seinen Platz auf dem Boden und versuchte, ihn möglichst genau so wieder zurechtzurücken, wie er vorhin gelegen hatte. Ich wusste zwar nicht, wozu das gut war, aber wenn er das sagte, dann… Ich sah nicht, ob Sintram dabei hinter mir wirklich eher irritiert wirkte als alles andere — aber ich hatte irgendwie das untrügliche Gefühl, dass er genau das tat. Ehrm? Ich strich mir die Hände aneinander und dann an meiner -natürlich inzwischen wieder angezogenen- Hose ab; schließlich hatte ich ja nicht gewusst, was nach der Pause kommen würde. Was leider der springende Punkt war. Ich wusste es immer noch nicht so genau.
Aber wenigstens begriff ich jetzt so viel, dass er wollte, dass ich wohl nur einen Stein nahm? Den größten dann wohl.
Kaisers Bart. Der könnte auch wirklich eindeutiger sprechen. Wobei er damit nicht alleine war…. Warum sprachen Erwachsene eigentlich immer so um den Brei herum statt einmal klar und deutlich zu sagen, was sie wollten? Konnten die alle irgendwie Gedanken lesen?
Ich wanderte unterdessen von der Mitte zum rechten Ende der Steinreihe, dort wo die größeren lagen. Und in einem Brocken endeten, der… sollte der eigentlich dazugehören?? Ich meine, Sintram hatte ihn nicht dahingelegt, aber… er lag exakt in der Reihe. Keine Ahnung, wer so einen aber jemals stemmen sollte. Das… war sowas möglich? Ich hatte kurz ein Bild von Ferricks Vater vor Augen, dem Schreiner, der manchmal ziemlich große Holzstamm-Stücke schleppte, um sie zurechtzuzimmern. Aber Holz war deutlich leichter als Stein, oder? Und der hier war…
Ich schüttelte den Kopf. Konzentrier dich, Lili.
Für mich war das Ding auf jeden Fall VIEL zu schwer. Schon die letzten fünf in der Reihe… wie hatte der Jäger die letzten beiden vorhin überhaupt hergeschleppt? Hatte er sie gezogen? Die gehörten nämlich eindeutig zur Reihe. Sie lagen zu akkurat, um es nicht zu tun.
Aber ich hatte nicht gesehen, wie er sie hergeholt hatte. Pause heißt schließlich Pause… Ich hatte ihm zugegeben nicht die ganze Zeit zugesehen, was er währenddessen machte. Das hätte den ganzen Sinn einer Pause zerstört. Hatte er mich damit absichtlich genarrt? Das ist egal. Einen Stein. Jetzt!
Ich beäugte grübelnd die fünf Steine vor den letzten fünf, die eindeutig nur für Erwachsene gedacht sein konnten. Und dann nochmal den letzten von diesen fünf. Er hatte nichts davon gesagt, wie lange ich den halten musste, oder?
Die Frage war ganz allgemein sehr… uneindeutig gewesen. Ich musste fast schon raten, was ich überhaupt tun sollte. Vielleicht sollte ich auch nur drauf zeigen, aber – dann was? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es dabei bleiben würde. Und wenn er sagte, dass es darum ging, was ich ‚schaffen‘ konnte… dann konnte er eigentlich nur meinen, welchen davon ich halten oder zumindest kurzzeitig hochstemmen konnte, nachdem er nun genauer gesagt hatte, dass es um die Auswahl von einem davon ging. Oh. Das Hochnehmen hatte ich bisher schlicht unterstellt. Ups.
Mein Fehler. Oder?
Ich dachte lange genug darüber nach, ob ich schon damit einen Fehler gemacht hatte, als ich einfach reflexhaft angefangen hatte, welche aufzuheben, dass ich das Gefühl bekam, er müsste eigentlich ungeduldig werden. Ich linste mit einem flauen Gefühl im Magen zur Seite und versuchte mich dabei nicht erwischen zu lassen. Aber ich hätte besser wissen sollen, dass der Jäger eine schier endlose Geduld besaß. Und die Frage wahrscheinlich ohnehin nicht die Schnelligkeit meiner Entscheidung maß. Hoffentlich nicht.
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Sintram jedenfalls zeigte keinerlei Reaktion dazu, dass ich so lange brauchte. Er stand einfach nur da, wie ein Baum, der angewurzelt war. Auch wenn es ein Baum war, der mich aus hellen, aufmerksamen Augen beobachtete. Unheimlich.
Die Vorstellung, dass ein BAUM sowas täte. Nicht er. Den Teil verstand ich nach wie vor nicht. Er war schon irgendwie seltsam — und ich hatte eindeutig andere Sachen erwartet, als ich ihn um Ausbildung bat, aber… nicht unheimlich. Ich wusste immer noch nicht, warum die Leute im Dorf solche Angst vor ihm hatten. Er hatte mich noch nicht mal gehauen. Kein einziges Mal.
Nicht mal als ich ihn beim letzten Mal schon so gnadenlos falsch verstanden hatte. Auch nicht als ich beim ‚Warten‘ eingeschlafen war. Und die vielen, vielen Male, dass ich ihn beim Versteckspiel nicht finden konnte, erst recht nicht. Nicht mal, als ich hätte leise versteckt bleiben sein sollen und dann angefangen hatte mit nem Stock in der Erde zu malen — und dabei in den Blättern zu rascheln. Das Einzige, was er getan hatte, war mich mit einem plötzlichen Hervorbrechen aus dem Gebüsch zusammenzucken zu lassen. Das war nicht mal echtes ‚Erschrecken‘. Es war einfach nur… so plötzlich.
Einem Gebüsch, wo ich ihn absolut nicht gesehen hatte; musste sich wohl hinter dem niedrigen Erdhügel versteckt haben, auf dem es wuchs… hatte er sich eingegraben? Zumindest musste er sich hingelegt— Verdammt nochmal, Kind, nicht träumen! Oh Dämonenkacke. Ich sollte mir ja einen Stein aussuchen.
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Ein nicht mehr ganz so versteckter Blick zu Sintram zeigte immer noch nur einen geduldig wartenden ‚Baum, der keiner war‘. Na schön. Irgendwann musste ich ja. Ich wusste, dass ich nicht darum herumkommen würde, egal was danach passierte. Sonst würde er da bis in die tiefe Nacht stehen, ohne mit der Wimper zu zucken. Und das hieße auch kein Essen. Hm… außer ich… würde er mich wohl selbst wel-…? Nimm. Dir einen verdammten. STEIN. Ja, ja, ja, ist ja schon gut…
Irgendwie kam mir dieser Gesprächsverlauf in meinem Kopf absolut bekannt vor. Minus des Steins natürlich.
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Ich hatte mir vielleicht doch ein bisschen viel vorgenommen.
Ich hatte große Mühe, das Ding auch nur auf die Schenkel zu bekommen. Aber ich wusste, dass es ab dann leichter wurde. Sobald man was auf den Oberschenkeln hatte, konnten die Beine mitwuchten. Das half immer.
Das Blöde war, dass der Jäger auch das nicht gesagt hatte. Ob ich das Ding jetzt eigentlich nur generell hochheben musste – oder mit den Armen. Er hatte einfach gar nichts dazu gesagt. Er sagte selbst jetzt immer noch nichts. Er schaute einfach nur. Und schaute. Verdammt nochmal! Hör auf zu glotzen und sag was!
Natürlich sagte ich das nicht. Sondern mühte mich weiter mit dem Felsen ab, während mir langsam, aber sicher Schweißperlen auf die Stirn traten – und die Handflächen; was nicht gerade hilfreich war. Ebensowenig wie das Muskelzucken und der Schmerz in meinem Rücken. Aber wenn das verdammte Ding hoch sollte… dann kam es. verdammt nochmal. Hoch. Also hängte ich mich verbissen an den Stein und obenrum in die andere Richtung, um ihn vollends hochzuziehen.
Was damit endete, dass ich beinahe nach hinten gekippt wäre, als er endlich nachgab. Das hätte ja toll ausgesehen – Lili, zermatscht von einem Stein, der ihre Magengrube durchschlägt. Was ein Tod.
Aber ich hatte mehr Glück als Verstand und wackelte nur kurz, untermalt von den ersten Worten des Jägers seit gefühlten Stunden.
„Doch zuviel vorgenommen?“
„Nein.“ zischte ich und biss die Zähne am Ende des Worts so fest aufeinander, dass es knirschte. Verdammtes. Ding! Du heruntergekommener schlechtgewachsener Todesbote, du! Gib. NACH. Mit einem Ächzen stemmte ich mich in die andere Richtung und wuchtete das Ding nach oben und von mir weg. ‚Werfen‘ wäre nicht ganz das richtige Wort. Aber zumindest plumpste es mir danach nicht auf den Zeh. Der wäre sowas von Matsch gewesen. Ich sackte nach vorne und traf mit Müh und Not meine Schenkel mit den Handflächen, erneut in die Knie gegangen, die ich doch eben erst wieder geradegestemmt hatte.
„Sag mir jetzt ja nicht, das reicht nicht.“
Etwas an seinen Augen und der Bewegung seiner Brauen wirkte jedoch einen kurzen Moment eher anerkennend. Ich kann es mir aber auch eingebildet haben; weil ich es nur aus dem Augenwinkel sah, aus der keuchend vorgebeugten Halbhocke noch nicht wieder herausgekommen. Aber wenigstens erlöste er mich von meiner akuten Angst.
„Nein, das reicht erstmal.“ Auch wenn es so trocken herüberkam, dass ich nicht ganz wusste, wie ich das deuten sollte. Mein Herz und Atem waren aus anderen Gründen zu beschäftigt, als dass sie wegen erneuerter Angst hätten ihren Rhythmus verändern können. Vielleicht war ich auch schlicht zu platt als dass mein Hirn begriff, dass man das auch anders hätte verstehen können. Als einen Hinweis, dass ich durchgefallen war, beispielsweise.
Die Realität war, dass er mir erstmal eine kleine Pause gab. Ich bekam sogar einen Streifen Trockenfleisch herübergereicht, nachdem er sich fast schon kameradschaftlich neben mir ins Gras niedergelassen hatte, auf das ich vor lauter Erleichterung -gleich zweimal; einmal direkt, einmal im übertragenen Sinne- schließlich doch noch unzeremoniell herabgeplumpst war. Arsch trifft Boden. Arsch beschließt er mag den Boden und bleibt da jetzt. Ich wäre nicht mehr hochgekommen; selbst hätte er in dem Moment ausgesprochen, dass die Ausbildung beendet wäre, wenn ich das nicht tat. Glaube ich zumindest. Vielleicht doch? Jedenfalls geschah das nicht und ich war sehr, sehr froh darum.
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Nicht ganz so froh war ich darüber, dass er urplötzlich aus dem Nichts meinte: „Komm her.“
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Ich muss ihn angeglotzt haben wie die letzte gedankenlos wiederkäuende Kuh. Er saß immer noch im Gras. Ich auch. Was sollte das jetzt werden? Und wie sollte ich… sollte ich jetzt rüberrutschen? Wozu? Mein Misstrauen war sofort wieder eine Stichflamme. Aber was hätte ich tun sollen? Mit flauem Magen rutschte ich näher heran.
„Dreh dich um.“ Was? Ich… Trotz meines inneren Protests kam mein Körper natürlich dem Befehl nach. Sämtliche Muskeln in trauriger Erwartung angespannt. Selbst die in den Ohren, damit ich das pfitzende Geräusch nicht so hören müsste. Merkwürdig, dass sowas half. Aber-
„Tut das weh?“
Ein Finger stach plötzlich in meinen unteren Rücken, während eine Hand fest meinen Nacken hielt, sodass ich nicht wegzucken konnte. Der Reflex zumindest war da. Der Finger ging nämlich gezielt auf genau die Stelle, die sich krampfhaft zusammengezogen hatte. Ich biss mir auf die Zunge und zischte trotzdem keuchend auf. Nicht nur wegen der Stelle da unten – das ‚Stechen‘ konnte man fast nicht so nennen, um ehrlich zu sein, auch wenn selbst diese leichte Berührung immer noch wehtat – sondern weil ich im Nacken zusammenzuckte. Und das… Au. Um das scharfe Geräusch völlig zu vermeiden, hätte ich mir besser auch die Nase zugehalten. Stell dich nicht an wie ein Baby.
Von hinter mir ertönte ein Brummen, das leicht missmutig klang.
Und ein bisschen wie ein ‚Hab ich’s doch gewusst‘.
Meine Lippen versuchten hastig ein ‚Nein‘ zu formen, aber es blieb mir im Hals stecken. Stattdessen tat ich, was ich immer tat, wenn ich keine passenden Worte fand, die ich auch ausgesprochen bekam: Ich ließ den Körper sprechen. Der konnte besser lügen als ich. Also schüttelte ich hastig den Kopf.
Eindeutig ein Fehler. Die Bewegung brachte mich prompt dazu erneut so scharf die Luft einzuziehen, dass sie dabei zischte.
Ein weiteres Brummen, diesmal mit einem etwas ärgerlicheren Unterton. Wag es nicht mich anzulügen.
Aber Mutter hatte immer gewollt, dass ich es trotzdem tue. Jedenfalls hatte sie die Wahrheit ganz bestimmt nie hören wollen. Erst recht nicht, wenn es darum ging, ob mir etwas wehtat. Außer natürlich es ging um eine Strafe. Dann ging sie aber grundsätzlich davon aus, dass ich log und es nicht genug wehgetan hatte. Meine Faust ballte sich im Gras, wo es hoffentlich keiner sah.
Die Nackenmuskeln anzuspannen war nicht meine beste Idee…
„Dreh den Kopf.“ Den du mir fest-? Die Hand rückte zur Seite. Unfaire Zwickmühle. Mein Hals wollte nur nach rechts, aber dort drohte die Hand. Widerwillig drehte ich nach links, was wohl auch die Intention auf Seiten Sintrams war. Und prompt zu schnell, vor lauter Erwartung einer auf meinen Nacken oder Kopf zusausenden Hand. Das nächste nur halbunterdrückte Zischen. Ich biss die Zähne zusammen und drehte gegen den Schmerz an, so weit ich konnte. Es half nie etwas, wenn ich mich ‚anstellte‘.
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„Stop!“ herrschte mich der Jäger an. Es war das erste Mal, das seine Stimme schärfer geworden war, seit ich bei ihm war. „Nicht so weit. Du tust dir noch weh, Kind.“ Öhm. War das… nicht Sinn und Zweck dieser-? Sanfte, aber feste, beharrliche Finger fanden wieder meinen Nacken und Rücken, richteten mich in eine möglichst gerade Position.
„Halt still.“ Seine Hände packten mich plötzlich sanft an den Schultern und die Daumen drücken meine Schulterblätter nach vorne. „Halt deine Wirbelsäule gerader. Schultern nach hinten.“ Die Hände fuhren links und rechts besagter Knochen nach unten, wo die harte Stelle lauerte. Mein Körper spannte sich prompt wieder an. Wie hätte ich sonst reagieren sollen, angesichts einer solch freundlichen Berührung? Die Härchen in meinem Rücken stellten sich auf und versuchten zu spüren, woher der Angriff kommen würde. Da musste doch noch was nachkommen, wenn ich so in Sicherheit gewogen wurde… Ich konnte das Lauern regelrecht in meinem Nacken spüren.
Au…
„Und hör auf die Muskeln anzuspannen, soweit du Kontrolle darüber hast.“ Der hatte gut reden. Er war nicht derjenige, dem gerade… Finger in… Au. AUA. Da. Sag ich doch. Natürlich kam jetzt… genau in… AU. Au.Au.Au! Aaah…….hu?
Der Schmerz ließ plötzlich nach? Was tat er da eigentlich?
Die Versuchung mich umzudrehen und über meine Schulter nach unten hinter mir sehen zu wollen, um nachzuschaun, war groß. Aber wenigstens dazu war ich nicht dumm genug. Was immer er da gerade an der verkrampften Stelle an meinem unteren Rücken tat, mit stetigen, fast schon beiläufigen Nachkorrekturen meiner Haltung an Schultern und Nacken über rasche Griffe nach oben, führte doch tatsächlich dazu, dass die verhärtete Stelle wegging. Es war ein bisschen als ob da Steine unter meiner Haut wären, eingewachsen in mein Fleisch, die seine Finger präzise anzielten, zwischen sich nahmen und dann lockerten, um sie mit sachten Bewegungen aus dem verhärteten, darum herumgewachsenen Fleisch herauszulösen und dann zur Seite zu schieben. Ich konnte plötzlich wieder aufrecht sitzen statt nur noch nach vorne gebeugt.
Wenn ich allerdings gedacht hatte, das wäre es jetzt, dann hatte ich mich getäuscht.
Die Finger wanderten weiter nach oben, um auch dort die Muskeln auszustreichen; den kompletten Rücken lang, die Wirbelsäule hoch bis in den Nacken, die abnehmende Härte dabei irgendwie hochschiebend – oder nach oben… verfolgend? Dann packte er sich den Muskel in meinem linken Nacken, über der Schulter -in der Schulter?- und das Spiel begann von vorne.
Schmerz lass nach… im wörtlichen Sinne. Sowas hatte ich noch nie erlebt. Ich kannte nur, wie man Schmerz schlimmer machte. Ich musste plötzlich aufpassen, nicht nach vorne zu sacken; nicht weil verkrampfte Muskeln das forderten, sondern ich plötzlich so entspannt war wie schon lange nicht mehr. Götter, tat das gut. Mein Hirn stellte prompt den Dienst ein.
Als die nächste Aufforderung kam brauchte ich in meinem Dusel peinlich lange um zu verstehen, was er eigentlich von mir wollte.
„Versuch’s jetzt noch mal.“
***
Meine Reaktionszeit muss absolut legendär gewesen sein.
Aber schließlich drehte ich den Hals, langsam, in steter Erwartung erneuter Schmerzen, nach links. Huh. Das ging ja plötzlich wieder! Und ganz ohne-
AU!
„Stop! Zurück.“
Natürlich hatte ich vor lauter verfrühter Freude abrupt schneller und dann zu weit gedreht. War ja klar. Die Finger kehrten zurück. Das war…
…weniger klar.
Mein Hirn schaltete sich erneut aus.
Ich sollte aufpassen. Bestimmt würde er gleich irgendetwas machen oder wollen, dass… dass… Das hier konnte nur ein Trick sein. Ich kippte nach vorne.
Oder besser gesagt, wäre gekippt. Eine große Hand über meinem Schlüsselbein hinderte meinen Körper daran. Ich richtete mich hastig wieder auf und die Hand verschwand.
„Nochmal.“ Diesmal wusste ich wenigstens, was ich tun sollte.
Und war extravorsichtig. Auch am Schluss. Aber ich… huh. Ich konnte den Kopf plötzlich so weit drehen, dass ich wieder hinter mich sehen konnte. Ganz ohne gegen Schmerz ankämpfen zu müssen.
Das war neu.
Während ich noch der Verwirrung erlag und den Kopf in die andere Richtung drehte, um ihn verdattert anzustarren, klopfte eine andere Hand sachte auf mein linkes Schulterblatt.
„Hoch mit dir.“
Ich rappelte mich, immer noch verdattert auf, während er längst schon wieder stand. Die Stimme nahm wieder die Klangfarbe einer Lektion an.
„Du solltest dich nach so einer Anstrengung immer eine Weile noch leicht bewegen.“
Seine Hand zeigte Richtung See. Hm?
„Von längerem Herumsitzen wird man nur prompt steif, wenn man’s übertrieben hat.“
Sollte ich jetzt wieder ins Wasser, oder—?
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„Lauf.“
Ich brauchte einen weiteren Moment der Verarbeitung.
Heute war ich aber auch wirklich schwer von Begriff.
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„Na, hopp, hopp!“ Er klatschte in die Hände und riss mich damit aus meiner Erstarrung.
„Und ich hoffe du lernst was draus. Nächstes Mal nimmst du dir einen kleineren Stein.“
Meine Füße wussten besser als ich, was ich tun sollte. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass er sich hinter mir ebenfalls in Bewegung setzte und mich damit in eine bestimmte Richtung scheuchte. Die nächste halbe Stunde oder auch mehr verbrachten wir damit gemütlich trabende Runden um den Teich zu drehen, er immer wenige Schritte hinter mir. Die Versuchung zu rennen war groß. Aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass mich dann eine Hand am Schlafittchen gepackt hätte. So nicht, junge Dame, so nicht. Der Trab war für mich gemütlich. Für ihn mit seinen deutlich längeren Beinen also wohl eher leichtes Gehen.
Was taten wir hier eigentlich?
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Explore the English Sneakpeeks
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Die deutsche Version ist schon weiter als die Übersetzung;
da es sich bei ihr um das Original handelt ;)
Wer mag, kann aber natürlich auch mal die (freie) englische Übersetzung testen
(die wiederum, da sie neuer ist, hier und da Updates erhalten hat, die wiederum in der deutschen noch eingefügt werden müssen - das klassische Work in Progress-Problem):
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